Gemeinsam unterwegs

Familie Marx in Peru

Interessantes…

Es gibt manche Dinge, die uns hier im Alltag begegnen, die einfach anders sind, als wir das gewohnt waren. Heute poste ich mal ein paar von diesen Dingen: Man kann…

Es gibt manche Dinge, die uns hier im Alltag begegnen, die einfach anders sind, als wir das gewohnt waren. Heute poste ich mal ein paar von diesen Dingen:

Man kann hier im Supermarkt gleich ein ganzes Ferkel kaufen.

Die Peruaner essen deutlich mehr Teile vom Tier. Hier sind Hühnerpfoten. Die Zunge wird auch sehr gerne gegessen und Herzen sind eine Delikatesse (vor allem vom Rind).

Hier sieht man eine typische Straße. Sie heißt „Calle Grande“ (große Straße), obwohl hier mit Ach und Krach zwei Autos nebeneinander passen. Hinter der Kurve ist derzeit eine Baustelle, so dass ich mal ein Foto machen konnte, weil die Straße leer war.

Die Peruaner sind etwas kleiner als Deutsche :). Oft können Benni und ich nicht mit beiden Beinen im Sitz sitzen, sondern strecken die Knie seitlich raus. Einige Busse sind auch so niedrig, dass wir gar nicht gerade stehen können.

Auf die Sicherheit am Bau wird nicht immer so großer Wert gelegt. Hier schauen wir direkt auf die Baustelle außerhalb unseres Wohnung. Man kann gut die typischen Metallstreben sehen, die hier in allen Häusern sind, um dem Haus mehr Stabilität während Erdbeben zu geben. Außerdem sieht man auch sehr gut, dass nicht immer alle Hausfassaden gestrichen werden.

Unsere Kinder sind hoch erfreut, dass es hier in diesem Jahr auch ein Panini-Heft gibt. Da sich Peru seit Jahrzehnten mal wieder für die Weltmeisterschaft qualifiziert hat gibt es einen großen Hype und besonders viele Produkte zu kaufen. In den Klassen der Jungs sind einige reiche Familien, die ihre Kinder mit Sticker-Paketen überschütten und von denen wir dann durch doppelte Karten profitieren. Bis zum Juni bekommen wir bestimmt alles voll…

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Kultur

In den letzten paar Wochen habe ich zwei sehr interessante Bücher gelesen und bin gerade an einem dritten. Die ersten beiden sind mehr kultur-anthropologisch und das letzte etwas mehr historisch….

In den letzten paar Wochen habe ich zwei sehr interessante Bücher gelesen und bin gerade an einem dritten. Die ersten beiden sind mehr kultur-anthropologisch und das letzte etwas mehr historisch. Hier möchte ich nur „Snippets“ vorstellen – Dinge, die mich angesprochen haben.

Richard E. Nisbett schreibt in seinem Buch The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently…and Why davon wie westliche Menschen (primär aus den USA) und asiatische Menschen verschieden denken. Natürlich kann man nicht von „der asiatischen“ oder „der westlichen“ Denkweise sprechen, jedoch gibt es zwischen den einzelnen Kulturen (z.B. des Westens) große Überlappung, so dass man diese durchaus etwas zusammenfassen kann.

Wie bereits geschrieben kann ich hier nur Highlights nennen. In dem Kapitel „Is the World Made Up of Nouns or Verbs? Categories and Rules vs. Relationships and Similarities“ schreibt Nisbett (S. 144):

Explicit modeling or rule-making seems to be less characteristic of the causal explanations of East Asians than of Westerners. If Asians are less likely to use rules to understand the world, and less likely to make use of categories, they might find it particularly hard to learn categories by applying explicit rules to objects.

Es geht im gesamten mehr um Beziehungen, die ihren Ausdruck in Verben finden, und nicht um Kategorien, welche durch Nomen beschrieben werden. Dies hat selbstverständlich Implikationen wie man Theologie erlernt und welche Ansätze man hier benutzt. Die westliche Theologie (und besonders die der Dogmatik) benutzt durchweg Kategorien wohingegen die Beziehung der biblischen Theologie als Gesamtes betrachtet werden kann. Meine Frage hierzu ist, ob Peruaner mehr dem westlichen oder dem asiatischen Denken näherstehen. Diese gilt zu beobachten und auf die Art und Weise des Unterrichtens anzuwenden.

Was mir besonders gut an dem Buch gefällt, ist, dass der Autor in keinerlei Weise dahin verfällt „Alles“ aus dem Westen anzuschwärzen und „Alles“ aus Asien zu verherrlichen. In seinen letzten Kapiteln zeigt er durchaus die Vorteile des westlichen Denkens auf, aber natürlich auch die des gesamtheitlichen Denkens Asiens. Wiederum stelle ich fest, dass eine internationale Fakultät mehr als eine Bereicherung für die Studenten, die Lehrkräfte selbst und für die Kultur sein können.

Ein weiteres Buch ist Ministering in Honor-Shame Cultures: Biblical Foundations and Practical Essentials von Jayson George und Mark. D. Baker. In diesem Buch gibt es viele Aspekte, die mich sehr angesprochen haben. Am besten lest ihr das Buch nochmals selber. Aber hier ein paar Eindrücke mit ein paar sehr hilfreichen Tabellen.

Der erste Teil handelt primär von Kulturantrhopologie und gibt große Umrisse der Schamkulturen (Honor-Shame) und der Schuldkulturen (Guilt- Innocence). Es gibt zwar keine reine Schuldkultur und auch keine reinen Schamkulturen, sondern lediglich Kulturen, in denen eines der beiden überwiegt.

Die folgende Tabelle (s. 38) zeigt diese groben Konturen auf:

 

Guilt-Based Cultural Behavior Shame-Based Cultural Behavior
Cultural Context Individualistic, Western Corporate, Majority World
Definition of Normal Rules and laws Expectations and ideals
Guide for Behavior Introspective conscience Public community
Result of Violations guilt Shame
Core Problem “I made a mistake” (action) “I am a mistake” (being)
Affected Party The transgressor The group
Violator’s Response Justify, confess or apologize Hide, flee or cover
Society’s Response Punish to serve justice Exclude to remove shame
Means and Resolution forgiveness Restoration

Und diese Tabelle (S. 60) wie verschiede kulturelle Aspekte von der jeweilig anderen Kultur aufgenommen werden:

Arena of Life Honor-Shame Cultures G-I Assessment of H-S Cultures Guilt-Innocence Cultures H-S Assessment of G-I Cultures
Money Patronage Corrupt, dependent Independence, capitalism Stingy, ungenerous
Communication Indirectness Lying, deceptive Direct, explicit Inconsiderate, crass
Time Event Lazy, tardy Task, efficiency Arrogant, unkind
Hygiene Purity Ritualistic, pharisaical Science, secularism Defiled, unclean
Food Hospitality Obligatory, ostentatious Convenience, functionality Isolated, neglectful
Behavior Social roles Unequal, oppressive Egalitarian, equality Disrespectful, presumptuous

Jetzt noch kurz zwei weitere Aspekte. Im Juni 2016 habe ich einen Vortrag zum Thema „Rettet der Glaube allein`“ gehalten. In diesem Vortrag geht es mir primär um die Verkürzung des Evangeliums und wie wir Glaube (und auch Gnade) verstehen. Oftmals wird das Evangelium mit der Vergebung der Sünde gleichgesetzt. Dies ist aber nicht mit dem biblischen Verständnis vereinbar. Ja, Vergebung unserer Sünden ist ein Teil, eine Auswirkung des Evangeliums, doch das Evangeliums selbst ist viel mehr (dazu demnächst dann nochmal mehr).

Diese Tabelle (S. 181) zeigt die zwei verschiedenen Verständnisse der Erlösung auf:

Process of Salvation

Guilt Based Shame Based

Problem
of Sin

Transgression

People have broken God’s law
through a particular action

Unfaithfulness

People have broken the relationship
with God by being disloyal

Dilemma
of Humans

Guilt

Our moral violations
merit punishment

Shame

Our disgrace
merits banishment

Solution
of Jesus
Restitution

Jesus satisfies the legal
requirements of justice by
enduring retribution for us

Restoration

Jesus bears shame to reconcile
the relationship by repairing honor

Response
of Faith

Confession

People must acknowledge
their wrongdoing

Allegiance

People must be loyal
to honoring God

Result
of Salvation
Forgiveness

God pardons wrongdoings and declares lawbreakers to be innocent

Honor

God makes outcasts his children
and exalts people to eternal glory

Das sind zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Beide haben ihre Stärken. Doch ich denke, dass vor allem unsere Antwort des Glaubens (Response of Faith) besser mit Loyalität beschrieben werden sollte.

Der letzte Aspekt aus dem Buch, den ich hier nennen möchte, ist wie Gemeinschaft, vor allem christliche Gemeinschaft, verstanden und auch gelebt wird. Georges und Baker (von Paul Hiebert herkommend) beschrieben zwei Arten der Gemeinschaft:

  • Bounded Group
  • Cenetered Group

Im Gegensatz zur „bounded group“ setzt die „centered group” einen Schwerpunkt auf den Mittelpunkt der Gemeinschaft und orientiert sich zu diesem Zentrum (Christus!) hin. Zwar gibt es auch Abgrenzungen (boundaries) zu anderen Leuten, diese werden aber weniger von diesen boundaries als von der Beziehung zur Mitte hergesehen. Dies hat Implikationen in der Debatte von „believe-belong“ oder der „belong-believe“ Orientierung. Im Sinne der Evangelisation und der Gemeindegründungsarbeit stellen die Autoren dies so da (s. 185):

Western ministry model Evangelism -> Discipleship -> Community
Majority World model Community -> Discipleship -> Evangelism

Ich habe hierzu noch keine konkrete Antwort und bin für Gespräche mehr als offen. Das folgende Zitat (S. 235) spricht jedoch gute Gedanken aus:

The origin of shame is exclusion, rejection and isolation—a disunion with community, both divine and human. Therefore, the solution for shame is not simply the theological idea of honor, but the realization of honor through genuine community.

Das letzte Buch möchte ich noch nicht vorstellen (da ich es auch noch nicht ganz gelesen habe), sondern nur Werbung hierfür betreiben für alle, die es interessiert:

Literaturhinweis:

  1. Georges, Jayson, and Mark D. Baker. Ministering in Honor-Shame Cultures: Biblical Foundations and Practical Essentials. Downers Grove, IL: IVP Academic, 2016.
  2. González, Justo L., and Ondina E. González. Christianity in Latin America: A History. Cambridge ; New York: Cambridge University Press, 2007.
  3. Nisbett, Richard E. The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently…and Why. New York: Free Press, 2004.
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Ostern – „Semana Santa“

Um Osterhasen und -eier zu finden, muss man in Peru schon länger suchen. Die spielen hier höchstens für Touristen eine Rolle. Peruaner kaufen sie für gewöhnlich nicht. In der Stadtmitte…

Um Osterhasen und -eier zu finden, muss man in Peru schon länger suchen. Die spielen hier höchstens für Touristen eine Rolle. Peruaner kaufen sie für gewöhnlich nicht.

In der Stadtmitte haben wir einen kleinen Karren mit Ostereiern gefunden, die man vor einer Prozession kaufen konnte.

Für die Peruaner ist es eher typisch möglichst viele Kirchen während der „Semana Santa“ (Heilige Woche von Palmsonntag bis Ostersonntag) zu besuchen. Auch die Teilnahme an einer Prozession ist wichtig.

Hier haben wir lediglich den Beginn einer Prozession gesehen, da in unserer Gemeinde ein spezielles Theaterstück aufgeführt wurde, wo wir hinwollten. Leider haben wir erst zu spät bemerkt, dass es in einem Stadtteil auf der anderen Seite der Stadt an Karfreitag sogar eine längere Prozession gibt, in der die Ostergeschichte über mehrere Stunden hinweg in den Straßen der Stadt dargestellt wird. Nächstes Jahr…

An den Prozessionen nehmen verschiedene Statuen teil.

Hier ist z.B. die trauernde Maria, die darauf wartet von Trägern mitgenommen zu werden. Auch der Körper Jesu wird in vielen Prozessionen durch die Straßen getragen.

Donnerstag ist in Peru ein offizieller Feiertag. Die Schulen haben Donnerstag und Freitag geschlossen, die meisten Geschäfte aber nur freitags (wie in den USA kann man hier ja sonst rund um die Uhr an allen Tagen der Woche einkaufen).

Donnerstags und freitags darf „offiziell“ kein Alkohol getrunken werden. Das heißt, dass die Geschäfte auch kein Alkohol an diesen Tagen verkaufen. Die Menschen trinken aber trotzdem in ihren Häusern, oder vor allem diejenigen, die an den Strand gefahren sind.

Donnerstag werden den ganzen Tag über die verschiedenen Kirchen besucht. Wenn möglich versucht man in 7 Gottesdiensten gewesen zu sein. Oftmals gibt es lange Schlangen, um sich mit dem Weihwasser bekreuzigen und dann in die nächste Kirche gehen zu können.

Bis Ostersonntag werden die Heiligen in den Kirchen bedeckt. An Karfreitag tragen viele Menschen schwarz.

Das Oster-Wochenende ist auch sehr beliebt für Reisen. Die Preise für den Transport und Unterkünfte verdoppeln sich. So haben wir es genossen, dass es in Arequipa etwas ruhiger war als sonst (vor allem die Verkehrslage). Viele fahren noch ein letztes Mal an den Strand, weil der Sommer vorbei und das Wetter anschließend das Jahr über dort nicht mehr so schön ist (stattdessen ist es dann in Arequipa sonnig, da hier die Regenzeit vorüber ist).

Es gibt besondere Gerichte, die die Osterwoche begleiten:

Die Ostersuppe „Caldo de pascua“: Eine Suppe mit sieben Fleischsorten
(Huhn, Hähnchen, Rind, Lamm, Schwein, getrocknetes und gesalzenes Lamm- und Rindfleisch mit Kartoffeln, Reis und speziellen getrockneten Kartoffeln (Chuño) aus dem Hochland)

Adobo arequipeño: Eine Suppe, die über viele Stunden köchelt und die man dann meistens zum Frühstück isst.

Masamoras: Das sind ganz viel Süßspeisen, die man das ganze Wochenende über isst. Wir waren mal wieder bei unserer Nachbarsfamilie eingeladen und durften ganz viel kosten.

Der lilane Nachtisch wird mit lilanem Mais gemacht. Der Saft wird hier sehr oft getrunken (Chicha Morada). Daneben ist ein Nachtisch aus eingedickter Milch mit Zimt. Unten ein beliebter Milchreis.

Wir haben zu Hause trotzdem noch ein paar Eier bemalt, um ein bißchen die deutsche Tradition beizubehalten..

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

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Telos

Ziel der theologischen Ausbildung Was ist das Ziel (telos) der theologischen Ausbildung? Was wollen wir eigentlich erreichen? Ist theologische Ausbildung eine reine Wissensvermittlung? Diese Fragen werden ich in meinem letzten…

Ziel der theologischen Ausbildung

Was ist das Ziel (telos) der theologischen Ausbildung? Was wollen wir eigentlich erreichen? Ist theologische Ausbildung eine reine Wissensvermittlung? Diese Fragen werden ich in meinem letzten Eintrag der Serie „theologische Ausbildung“ beantworten. Wie schon in dem ersten Eintrag angeklungen ist das Ziel der theologischen Ausbildung keine reine Wissensvermittlung, sondern Spiritualität. Dies werde ich in diesem Beitrag etwas näher erläutern. Zuvor jedoch nochmals eine kleine Zusammenfassung der letzten Beiträge:

  1. Der erste Eintrag war eine Art „Prolegomena“ und hat uns darauf eingestimmt, dass theologische Ausbildung (das christliche Leben im Allgemeinen) nicht das Wissen an sich, sondern Spiritualität und Charakterformation als Ziel hat.
  2. Daraufhin sahen wir wie wir alle eine gewisse Theologie (Gottesvorstellung) haben und wir diese anhand der Heiligen Schriften überprüfen müssen, wenn wir nicht ist das Fettnäpfchen treten wollen und unseren „eigenen Göttern“ folgen. Die Bibel ist Grundlage gesunder Theologie; oder besser gesagt gesundem Theologisierens.
  3. Im dritten Beitrag ging es dann um die Gefahren des Theologiestudiums. An dieser Stelle ging es darum die Bibel rein akademisch zu betrachten; von Gott nur noch in der dritten Person zu sprechen; seine eigene Beziehung zu Gott zu vernachlässigen.
  4. Dann ging es darum zu verstehen was theologische Ausbildung – ja, was Theologie – eigentlich ist. Unsere Theologie, unsere Überzeugungen beeinflussen unser Handeln (vgl. Röm 12,1-2). Wir werden im Ebenbild Christi gestaltet, nach Seinem Wesen geformt. Hierzu gehört unser Denken, Handeln, Fühlen.
  5. Im letzten Beitrag ging es dann noch um die „Notwendigkeit und Wichtigkeit der theologischen Ausbildung“.

Um auf das Ziel der theologischen Ausbildung etwas näher einzugehen, möchte ich zwei interessante Zitate voranstellen:

The proper end of the drama of doctrine is wisdom: lived knowledge, a performance of the truth.[1]

Christians learn doctrine in order to participate more deeply, passionately, and truthfully in the drama of redemption. Intellectual apprehension alone, without the appropriation of heart and hand, leads only to hypocrisy.[2]

Als Jesus einmal gefragt wurde, was eigentlich das höchste Gebot sei, antwortete:[3]

Das wichtigste Gebot ist: ›Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft! An zweiter Stelle steht das Gebot: ›Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹ Kein Gebot ist wichtiger als diese beiden.

Zwei Aspekte möchte ich hier herausgreifen. Ein Aspekt ist, dass wir lieben sollen (Gott und Mitmensch) und der zweite Aspekt ist das wie – vor allem „mit deinem ganzen Verstand“. Alles, was wir tun, soll zu Ehre Gottes dienen (1Kor 10,31). Wenn wir lieben, erfüllen wir das Gesetz (Röm 13,10). Zu all dem gehört der Einsatz unseres ganzen Seins – also auch unseres Intellekts.

Spiritualität

Das primäre Ziel der christlichen Verkündigung und Unterweisung sind geistlich reife Menschen (welche, die in Christus vollkommen sind). So schreibt Paulus (Kol 1,28):

Ihn, Christus, verkünden wir; wir zeigen jedem Menschen den richtigen Weg und unterrichten jeden Menschen ´in der Lehre Christi`; wir tun es mit der ganzen Weisheit, ´die Gott uns gegeben hat`. Denn wir möchten jeden dahin bringen, dass er durch die Zugehörigkeit zu Christus als geistlich reifer Mensch ´vor Gott` treten kann.

Wenn dies das allgemeine Ziel des christlichen Lebens ist, dann kann das Ziel theologischer Ausbildung nicht anders verstanden werden. So sehen wir das Ziel auch als geistliche Prägung (Eng.: spiritual formation). Diese begründet Bernhard Ott, von Römer 12,1-2 herkommend, trinitarisch: Das Ganze des theologischen Studiums soll als Spiritualität verstanden werden. Diese ist von Gottes Geist gewirkt, in Jesus be- und gegründet und auf Gott-Vater hin ausgerichtet. Es ist eine Lebensgestaltung.[4]

Somit ist auch die Rolle des Lehrers nicht die des Wissensvermittlers, sondern eher vergleichbar die einer Hebamme. Der Lehrer bereit somit „nur“ den Rahmen des Lernens und nimmt auch als Lernender teil:

Teachers themselves are also seeking personally to appropriate wisdom about God and about themselves in relation to God. At most, the teacher ‘teaches’ only indirectly by providing a context in which the learner may come to that combined self-knowledge and God-knowledge that is a ‘personal appropriation’ of revealed wisdom.[5]

Theologisieren

Im zweiten Beitrag hatte ich bereits geschrieben, dass das Ziel theologischer Ausbildung das Theologisieren sei. Nun möchte ich beschreiben und näher betrachten, was damit gemeint ist.

Auf einer Homepage für Theologie-Studierende las ich folgendes:

Das Theologiestudium fordert die eigene Person und deren Einstellung zur Welt und zu Gott heraus…. Theologie studieren heißt nicht nur, sich mit Traditionen auseinander zu setzen, sondern auch neue, überraschende Einsichten gewinnen. Es heißt nicht nur, Texte zu lesen, sondern auch Menschen und deren Kon-Texte zu verstehen.[6]

Man kann schon erahnen was mit Theologisieren gemeint ist. Es geht um ein gründliches Studium der Schrift und der Tradition, das sein Ergebnis erst in der Verbindung mit dem heutigen Kontext findet. Es reicht nicht Texte und Traditionen zu kennen und sie 1:1 auf heute anwenden zu wollen. Es geht darum verantwortlich im Hier-und-Jetzt zu leben. Thorsten Dietz schreibt in seinem Buch Sünde folgendes: „Christen, die ihre Sprache, ihre Umgangsformen, ihre Denkschablonen nicht immer wieder in Frage stellen, neu ausrichten und verändern, leben nicht mit einem lebendigen Gott.“[7] Sprache, Umgangsformen und Denkschablonen müssen immer wieder hinterfragt werden damit der christliche Glaube Aktualität erlangt.

Ott sieht die Existenzbegründung und Aufgabe der Kirche folgendermaßen:[8]

  • Gottes Herrschaft anerkennen und feiern: Gottesdienst (leitourgia)
  • Gottes Herrschaft in der Geschichte verkörpern: Gemeinschaft (koinonia)
  • An der Gabe von Gottes Herrschaft teilhaben und sie repräsentieren und ankündigen: Mission (martyria)[9]

Daher muss theol. Ausbildung Leiter dazu befähigen, andere anzuleiten die Aufgaben der

Gemeinde wahrzunehmen. Aber es geht nicht nur um die Kirche per se, sondern um ihre Sendung in die Welt.[10] Kevin J. Vanhoozer beschreibt die Aufgabe der öffentlichen Theologie als solche, die hilft das Volk Gottes so zu formen, dass die eine Hermeneutik der Liebe Gottes sind.[11]

Ausgehend von Matt 28,20 stellt Klaus W. Müller richtig fest, dass das Ziel nicht im Lehren, sondern im Halten liegt: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Es geht nicht um das tradieren theologischer Inhalte, sondern um das Gehorchen in der heutigen Zeit.[12] Dies wiederum schwingt im Zwei-Klang mit Spiritualität.

Das Programm der „Ecumencial Theological Education“ des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat folgende Kompetenzen aufgelistet, die durch eine theologische Ausbildung mitgeprägt werden sollen:[13]

  • Pastorale Kompetenz in Verkündigung und Seelsorge
  • Leitungskompetenz mit der Fähigkeit zum Verzicht auf Dominanz und der Fähigkeit, in Konflikten zu vermitteln
  • Theologische Kompetenz als Verarbeitung der biblischen Grundlage und der Tradition der Kirche, aber auch mit der Fähigkeit, die geistlichen Erfahrungen und Einsichten der Gemeindeglieder zu erkennen und fruchtbar zu machen
  • Missionarische Kompetenz, um das Evangelium in Wort und Tat in kultursensibler Form weiterzugeben
  • Ökumenische Kompetenz, um andere christliche Traditionen zu würdigen und mit ihnen zusammenarbeiten zu können

Diese Kompetenzen werden m.E. durch eine internationale Fakultät bereichert. So hat man „kritische Gesprächspartner aus anderen Kulturen“ mit denen man theologisieren kann – auf nicht-nur-westliche Art und Weise.[14]

Abschließend

Das Ziel der theologischen Ausbildung wurde grob mit den Stichworten „Spiritualität“ und „Theologisieren“ zusammengefasst. Es geht um reife Christen, die in der Lage sind andere anzuleiten die Aufgaben der Gemeinde wahrzunehmen; biblische Antworten auf heutige Fragen zu finden; und dem Volk Gottes zu helfen eine Hermeneutik der Liebe Gottes zu sein.

Nun gilt es einige abschließende Gedanken zu äußern bzw. mein Verständnis meiner Rolle in der theologischen Ausbildung kurz aufzuzeigen: Wie schon angeklungen ist theologische Ausbildung keine reine Wissensvermittlung. Sie geschieht jedoch auch nicht vom Wissen und Denken losgelöst. Es geht darum Denken und Handeln zu vereinen und eine „gelebte Spiritualität“[15] zu fördern.

Der Lehrende ist also nicht nur Wissensvermittler, sondern vor allem „Hebamme“. Er oder sie lebt entsprechend dem chr. Glauben, forscht in den Schriften, lebt in Gemeinschaft mit Gott und Mensch so wie es Gott gefällig ist, um anderen zu helfen dies ebenfalls zu tun.

Vanhoozer erinnert sich an seinen Französischlehrer der einmal folgendes sagte:

The joy of teaching lies not in one’s own enthusiasm for the students, or even for the subject matter, but rather for the privilege of introducing the one to the other.

Er schließt daraus:

If this is true of French, chemistry, or history, how much more is it true of the pastor’s passion, which is not simply love of God or love of people, but rather the love of introducing the one (people) to the other (God)? The pastor’s special charge is to care for the people of God by speaking and showing and by being and doing God’s truth and love. Success in ministry is determined not by numbers (e.g., people, programs, dollars) but by the increase of people’s knowledge and love of God. This is the only way ‘to present everyone mature in Christ” (Col. 1:28).’[16]

Dies kann durchaus auf die theologische Ausbildung im allgemeinen übertragen werden. Zum Schluss noch ein Wort des Ambroisus (De officiis ministrorum, 1.1.3):

Nicht den Ruhm der Apostel maße ich mir an — wer dürfte dies denn außer den Jüngern, die der Sohn Gottes selbst hierzu erwählt hat? —, nicht der Propheten Gnadengabe, nicht die Gewalt der Evangelisten, nicht der Hirten Sorgfalt: nur jenen Fleiß und Eifer in Sachen der göttlichen Schrift verlange ich mir, welche der Apostel an letzter Stelle unter den Ämtern der Heiligen aufführte, und auch diesen nur, um aus dem eifrigen Lehren lernen zu können. Denn nur einen wahren Lehrer gibt es: er allein brauchte nicht lernen, was er alle lehrte; Menschen aber müssen erst lernen, was sie lehren, und empfangen von ihm, was sie anderen überliefern sollen.

Dafür möchte ich mein Leben geben.

 

 

[1]     Kevin J. Vanhoozer, The Drama of Doctrine: A Canonical-Linguistic Approach to Christian Theology, 1st ed. (Louisville, KY: Westminster John Knox Press, 2005), 21.

[2]     Ibid., 107.

[3]     Mk 12,29-31

[4]     Bernhard Ott, Handbuch Theologische Ausbildung: Grundlagen – Programmentwicklung – Leitungsfragen, 2nd edition. (Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2013), 189. Siehe auch das Manifesto der International Council for Evangelical Theological Education (ICETE) dargestellt (siehe auch http://www.icete-edu.org/manifesto/). Ad 7. Integrated Programme: “Our programmes must be designed to attend to the growth and equipping of the whole man of God. This means, firstly, that our educational programmes must deliberately foster the spiritual formation of the student.“

[5]     David H. Kelsey, Between Athens and Berlin: The Theological Education Debate (Eugene, OR: Wipf & Stock, 2011), 20.

[6]     “Theologie Studieren,” Homepage der EKD, 2016, http://www.ekd.de/theologiestudium/startseite_ theologiestudium.html.

[7]     Thorsten Dietz, Sünde: Was Menschen heute von Gott trennt (SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag, 2016), 27.

[8]     Ott, Handbuch Theologische Ausbildung, 170.

[9]     Warum die diakonia nicht gelistet wird, ist bei Ott nicht erkenntlich.

[10]   Ott, Handbuch Theologische Ausbildung, 171.

[11]   Kevin J. Vanhoozer, “Introduction: Pastors, Theologians, and Other Public Figures,” in The Pastor as Public Theologian: Reclaiming a Lost Vision, ed. Kevin J. Vanhoozer and Owen Strachan (Grand Rapids, MI: Baker Academic, 2015), 21.

[12]   Klaus W. Müller, “Ausbildung des Missionars zum Lehrer und Mentor,” in Ausbildung als missionarischer Auftrag: Referate der Jahrestagung 1999 des AfeM, ed. Klaus W. Müller and Thomas Schirrmacher (Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2000), 103.

[13]   Jürgen Quack, “Kontextualisierung westlicher Ausbildungssysteme,” in Ausbildung als missionarischer Auftrag: Referate der Jahrestagung 1999 des AfeM, ed. Klaus W. Müller and Thomas Schirrmacher (Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2000), 206.

[14]   Ibid., 222.

[15]   Eigentlich ist dieser Begriffe ein Oxymoron. Eine Spiritualität kann nur gelebt werden oder sie verliert ihre Definition.

[16]   Vanhoozer, “Introduction: Pastors, Theologians, and Other Public Figures,” 22.

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Joels Geburtstag

Am Mittwoch durften wir Joels Geburtstag feiern. Da die Jungs oft spät Schule haben, feiern wir meistens erst am Wochenende den Kindergeburtstag. Aber da hier am Gründonnerstag keine Schule ist,…

Am Mittwoch durften wir Joels Geburtstag feiern. Da die Jungs oft spät Schule haben, feiern wir meistens erst am Wochenende den Kindergeburtstag. Aber da hier am Gründonnerstag keine Schule ist, konnten wir am Mittwoch etwas länger machen.

Joel ist mittlerweile elf Jahre alt. Da sich seine Klasse am 01.03. geändert hat (alle zwei Jahre erneuert sich die Klassenkonstellation), hat er dieses Mal nur seine zwei besten Freunde eingeladen.

Anstatt einem Themenkuchen wollte Joel nur Schokolade :). Also hat er einen Schokoladenkuchen mit Schokofüllung bekommen. Leider ist inmitten des Backvorgangs das Gas leer gewesen, so dass der Kuchen in der Mitte noch etwas eingefallen ist und so blieb (der Gasmann braucht meistens eine Stunde, bis er kommt). So haben wir das Loch einfach mit Schokolinsen gefüllt.

Leider konnte einer der Freunde dann doch nicht, aber trotzdem hatten wir eine gute Zeit (Joel hat sich Lasagne zum Mittagessen gewünscht).

Anschließend haben wir noch eine Fotoralley in unserem Wohngebiet gemacht.

Nach peruanischer Tradition muss das Geburtstagskind zu Beginn einmal in die Torte beißen, bevor sie angeschnitten wird. Joels Freund hat ihn aber reingedrückt, so dass Joel etwas „schokoliert“ war.

In unserem engen Flur konnten alle zum Schluss noch Fußballspielen.

Peruaner machen für gewöhnlich nie Übernachtungen bei anderen Kindern. Aber da Joels Freund eine deutsche Mutter hat, ist er das gewöhnt und so konnten die beiden noch einen Film schauen und am nächsten Tag etwas ausschlafen.

Für Joel war es ein sehr schöner Tag und er war froh, dass wir anschließend das verlängerte Wochenende hatten.

 

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Joel Turned Eleven

A Prayer for My Son / A Letter to Him  Joel Caleb, now this is your first birthday in Arequipa (Peru). Many things have changed … food, language, friends, school,…

A Prayer for My Son / A Letter to Him 

Joel Caleb, now this is your first birthday in Arequipa (Peru). Many things have changed … food, language, friends, school, surrounding. But you have managed it very well. You even found a very close friend (who also speaks German).

You keep improving your skills of handling your emotions and are growing in many aspects. The pre-puberty phase is already starting and many more changes will head your way. But I am sure that God will use that time as well (for you and for your parents).

This year you have also made a wise decision of not continuing with soccer because you wanted to try out basketball. That again means leaving your comfort zone and a possible trip to Barcelona with your former soccer team. We are proud of your decision as you saw also the necessity on focusing more on the school as well.

May God continue to help you in growing to be a man! God with you, my son!

We love you.

In Christ,
AMEN

 

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