Wir haben euch vor ein paar Wochen (hier) in unsere Gedanken zur Adoption mit rein genommen.

Im August letzten Jahres war es dann soweit, dass wir uns nach 2 Jahren Aufenthalt in Peru, offiziell in das System einschreiben konnten. Als erster Schritt galt es die verschiedenen Formulare online auszufüllen und sich anschließend in eines der 5x im Jahr stattfindenden Workshops einzutragen. Da Benni im September unterwegs war, haben wir den nächstmöglichen Termin im November in Anspruch genommen.

Die Worshops waren sehr anstrengend, da man 5 Stunden ohne Pause zu zwanzigst in einem Büro ohne Fenster gesessen hat. Nur die Tür zum Flur sorgte für etwas „frischen“ Sauerstoff… Es wurde über die verschiedenen Aspekte der Adoption gesprochen und jeder musste die 150 Seiten im Ordner durcharbeiten.

Die Teilnehmer waren eine Mischung aus verschiedenen Altersgruppen. Außer uns gab es nur noch ein Paar, was bereits ein Kind hatte. Für gewöhnlich wird in diesem Land hauptsächlich adoptiert, wenn man selbst keine Kinder bekommen kann.

Leider gibt es in Peru nicht das System von Pflegefamilien, wo die Kinder zwischenzeitig unterkommen können. Stattdessen sind sie in überfüllten Kinderheimen untergebracht. Zur Adoption freigegeben sind derzeit um die 380 Kinder im ganzen Land. Das ist im Vergleich zu anderen Ländern sehr wenig. In Deutschland waren es vor 2 Jahren knapp 3.700 Kinder.

Grundsätzlich ist es gut, dass zunächst versucht wird die Kinder in irgendeiner Art und Weise mit einem anderen Familienmitglied (auch wenn weit entfernt) zu verbinden. Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann das Kind zur Adoption freigegeben werden. Dies bedeutet aber auch, dass der Prozess durchaus sehr langwierig sein kann.

Nachdem wir den Workshop abgeschlossen hatten, wurden uns ein Monat Zeit gegeben, um zu signalisieren, dass wir weitermachen wollen und ein weiterer Monat, um die nötigen Papiere zusammen zu tragen. U. a. haben wir in dieser Zeit auch das Hochbett von Kollegen abgekauft, um eine Schlafmöglichkeit für das Kind beim Hausbesuch aufzuweisen. Jason freut sich schon, dass er dann einen Bruder und Spielkameraden im Zimmer haben wird.

Die Dokumente zusammen zu bekommen, hat uns viele Nerven gekostet. Man bezahlt hier nicht mit Geld, sondern mit Zeit und Energie. Ein Beispiel:

Wir mussten vom Arzt bestätigt bekommen, dass wir gesund sind. Dies kann man aber aufgrund sonst möglicher Bestechung, nur in zwei öffentlichen Krankenhäusern hier in Arequipa machen.

Zunächst einmal verbringt man dann einen Morgen damit das System des Krankenhauses kennen zu lernen, weil kaum einer Bescheid weiß und man alles erfragen muss.

Zur Blutabnahme steht man bereits um 6 Uhr in der Schlange an, um sicher zu gehen, dass man an diesem Tag noch dran kommt. Glücklicherweise konnte man dann um 10 Uhr noch beim Röntgen anstehen, um dann um 13 Uhr fertig zu sein. Immerhin zwei Sachen an einem Tag erledigt!

Für die Gespräche beim Psychologen (theoretisch drei) sieht es dann anders aus. Entweder man steht um 5 Uhr morgens an, um einen Termin für den gleiche Tag auszumachen (in der Hoffnung, dass was frei ist). Die Termine sind dann ab 8 Uhr, aber die Ärzte kommen erst um 9 Uhr und bis man dran ist, kann es durchaus schon wieder 13 Uhr sein. Also IMMER was zu lesen mitbringen…

Es gibt aber auch die Möglichkeit einen Termin im voraus zu machen (aber nur 2 Tage im voraus…). Das bedeutet aber auch, dass man dafür extra ins Krankenhaus fährt, sich um 6 Uhr in die Schlange anstellt, um dann hoffentlich bis 8 Uhr dran gewesen zu sein (da schließt das Fenster wieder) und einen Termin zu haben. Aber wie oben beschrieben, kann man dann am Tag seines Termins durchaus den ganzen Morgen draußen in der Sonne warten.

Das ist wirklich nur ein minikleiner Einblick in das, was wir erlebt haben. Zudem kommt es vor, dass man nicht den richtigen Stempel, oder die richtige Unterschrift bekommen hat und noch mal zurück darf.

Ein bestimmtes Dokument wird angefordert, was andere aber nicht brauchten. Hin und Her…

Wir sind auf jeden Fall dankbar, dass alle unsere 118 Seiten letztendlich doch angenommen wurden und wir nun bis Ende März noch verschiedene Gespräche mit der Psychologin und einem Hausbesuch verbringen werden.

Schritt für Schritt kommen wir der Adoption also näher!