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Kategorie: Theol.Eck

Was ist theologische Ausbildung?

Bevor wir die Frage „Was ist theologische Ausbildung?“ beantworten können, scheint es mir wichtig ein paar Antworten bzw. Anstöße zu geben, was eigentlich „Theologie“ ist. In meiner bescheidenen Erfahrung der…

Bevor wir die Frage „Was ist theologische Ausbildung?“ beantworten können, scheint es mir wichtig ein paar Antworten bzw. Anstöße zu geben, was eigentlich „Theologie“ ist.

In meiner bescheidenen Erfahrung der letzten knapp zehn Jahre bekomme ich immer wieder (vor allem aus „frommen“ christlichen Kreisen) zu hören wie unnütz doch ein Theologiestudium sei und, dass man in der Universität (oder allgemein in der theologischen Ausbildungsstätte) fernab jeglicher (Gemeinde-)Realität sei. Hier schwingt oftmals ein implizierter anti-Intellektualismus mit.  Unser Handeln ist vom Denken beeinflusstAls ob der Intellekt und das Denken mit dem Handeln nichts zu tun hätte. Dies ist jedoch nicht der Fall. Unser Handeln ist vom Denken beeinflusst. Man handelt ja meistens aus irgendwelchen Überzeugungen heraus – unbewusst oder bewusst. Deshalb ist richtiges Denken (in einem späteren Eintrag noch mehr zum Thema „theologisieren“) überaus wichtig. Es bestimmt unseren Alltag. Wenn wir hier die Worte des Apostel Paulus (Römer 12,1-2) lesen, wird das deutlich:

Ich habe euch vor Augen geführt, Geschwister, wie groß Gottes Erbarmen ist. Die einzige angemessene Antwort darauf ist die, dass ihr euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung stellt und euch ihm als ein lebendiges und heiliges Opfer darbringt, an dem er Freude hat. Das ist der wahre Gottesdienst, und dazu fordere ich euch auf.

Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet [wörtlich: sondern werdet verwandelt (oder: lasst euch verwandeln)] durch die Erneuerung des Sinnes (Denkens/Willens) und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.

Wir sollen uns nicht „in das ‚Schema‘, d.h. in das konkrete Wesen dieser Weltzeit einfügen.“[i]  Wir sollen uns nicht gleichschalten lassen. Und wie leicht das geschieht, wissen wir ja alle. Deshalb ist der zweite Teil der Aufforderung wichtig zu bedenken: „Sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Denkens (eures Sinnes).“

Das Wort für „verwandelt werden” finden wir auch in Matt 17,2 und Mk 9,2. Dort ist von der „Verklärung Jesu” die Rede ist. Die Jünger (drei von ihnen) sehen die Herrlichkeit Jesu. Gott ist der HandelndeEs wird ihnen offenbart wer er wirklich ist. Wir sollen Gott also walten lassen unser wahres Sein herauszuarbeiten. Dies ist mit einem passiven Verb „werdet verwandelt“ beschrieben. Das bedeutet jedoch nicht faul auf der Couch zu liegen, sondern aktiv mit Gott im Alltag zu leben. Aber, es sei vermerkt, Gott ist der Handelnde. Paulus spricht auch an anderer Stelle (2Kor 3,18):

Von uns allen wurde der Schleier weggenommen, sodass wir die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel sehen können. Und der Geist des Herrn wirkt in uns, sodass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln.

Wie schon in Römer 8,29 angeklungen, werden wir im Ebenbild Christi gleichgestaltet. Wir werden also nach dem Wesen Jesu geformt. Zum Wesen gehören das Denken und das Handeln (sowie auch das Fühlen). „Der Weg zum Handeln führt durch das Denken; denn wir können dem Willen Gottes nicht dienen, wenn wir ihn nicht erkennen und ihm nicht beistimmen.“[ii]  Es geht jedoch nicht nur um das Denken losgelöst vom Handeln, sondern darum unsere tiefen, moralischen Überzeugungen (die sich im Handeln zeigen) neu an Gottes Wort und seinem Willen auszurichten. Es geht um das Handeln und Denken nach dem Sinn Jesu wie wir es auch in 1Kor 2,16 lesen können. In Phil 2,5-8 wird dies ganz konkret dargestellt:

Geht so miteinander um, wie Christus es euch vorgelebt hat. Obwohl er Gott war, bestand er nicht auf seinen göttlichen Rechten. Er verzichtete auf alles; er nahm die niedrige Stellung eines Dieners an und wurde als Mensch geboren und als solcher erkannt. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, indem er wie ein Verbrecher am Kreuz starb.

Das Kreuz – sowie das ganze Leben Jesu – ist also der Maßstab unseres Handelns, Denkens und Redens. Alles was wir tun, soll der Ehre Gottes dienen (1 Kor 10,31). Eine ganz einfache Frage, die wir uns im Alltag stellen können, ist: „Ist das was ich gerade denke, mache, sage, fühle etwas das Gott gefällt – dem Gott zustimmt?“

So prüfen wir, ob das, was wir tun, Gottes Willen entspricht. (Römer 12,2b). Hier wird ein Wort benutzt, das darauf hinweist, dass wir den Willen Gottes testen sollen. Wir sollen also nicht nur intellektuell den Willen Gottes erfassen, sondern sollen ihn auch testen: sprich, wir sollen den Willen Gottes in die Tat umsetzen.

Denn der Wille Gottes ist ja in Seinem Wort an uns niedergeschrieben wordenIch bin oft überrascht zu sehen wie wenig Christen ihre Bibel lesen. Wir sagen oft, dass wir so leben wollen wie es Gott gefällt, dass wir Ihm die Ehre geben wollen. Andererseits kümmern wir uns wenig darum zu forschen, wer Gott eigentlich ist und wie Er möchte, dass wir leben. Denn der Wille Gottes ist ja in Seinem Wort an uns niedergeschrieben worden. Natürlich gibt es hier und da „Grauzonen“ oder es kommt auf die individuelle Situation an, jedoch können wir im Großen und Ganzen sehr wohl erkennen, was der Wille Gottes ist.

So, zurück zu der Frage „Was ist Theologie?“. John Frame definiert Theologie als Anwendung des Wortes Gottes durch Menschen auf alle Bereiche des Lebens.[iii]

Und erst jetzt kann auch die Frage „Was ist theologische Ausbildung?“ beantwortet werden[iv]:

Theologische Ausbildung unterstützt Christen das Wort Gottes
zu verstehen und es in den Alltag zu integrieren.

Ich möchte diesen Eintrag mit einem Zitat, das das gesamt Thema gut zusammenfasst beenden. Anselm (1033-1109; Erzbischof von Canterbury) schrieb in seinem ersten Kapitel in Proslogion:

Teach me to seek you, and reveal yourself to me, when I seek you, for I cannot seek you, except you teach me, nor find you, except you reveal yourself. Let me seek you in longing, let me long for you in seeking; let me find you in love, and love you in finding. Lord, I acknowledge and I thank you that you have created me in this your image, in order that I may be mindful of you, may conceive of you, and love you; but that image has been so consumed and wasted away by vices, and obscured by the smoke of wrong-doing, that it cannot achieve that for which it was made, except you renew it, and create it anew. I do not endeavor, O Lord, to penetrate your sublimity, for in no wise do I compare my understanding with that; but I long to understand in some degree your truth, which my heart believes and loves. For I do not seek to understand that I may believe, but I believe in order to understand. For this also I believe, --that unless I believed, I should not understand.

 

 

[i] Ulrich Wilckens, Der Brief an Die Römer (12-16), 3rd ed. (Zürich: Benziger, 1997), 7.

[ii] Adolf von Schlatter, Gottes Gerechtigkeit: Ein Kommentar Zum Römerbrief, 4. Aufl. (Stuttgart: Calwer Verlag, 1965), 204. Lactantius (250-324) schrieb, dass “the knowledge of God comes first, His worship is the result of knowledge.” Lactantius, The Divine Institutes 4.4, in Ante-Nicene Fathers, ed. A. Roberts and J. Donaldson (Peabody, Mass.: Hendrickson, 1994), 7: 104. As cited in Kapic, Kelly M. A Little Book for New Theologians: Why and How to Study Theology (Kindle-Positionen1172-1173). InterVarsity Press. Kindle-Version.

[iii] John M. Frame, The Doctrine of the Knowledge of God, First edition. (Phillipsburg, N.J: P & R Publishing, 1987), 81. Referenz von Thomas Schirrmacher, “Ausbilden wie Jesus und Paulus,” in Ausbildung als missionarischer Auftrag: Referate der Jahrestagung 1999 des AfeM, ed. Klaus W. Müller and Thomas Schirrmacher (Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2000), 7.

[iv] Allgemein wird zwischen Gemeindepädagogik und theologischer Ausbildung unterschieden. Bernhard Ott, Handbuch Theologische Ausbildung: Grundlagen – Programmentwicklung – Leitungsfragen, 2nd edition. (Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2013), 6: Es wird zwischen einer „education for discipleship“ und „education for apostleship“ unterschieden; d.h. wir reden von Gemeindepädagogik für die allgemein christliche Schulung und von theologischer Ausbildung bei der spezielleren Ausbildung pastoraler Führungskräfte. Eine ausführlichere Definition, welche sich auf bildungstheoretische und theologische Gedanken stützt, findet man bei Ott, Handbuch Theologische Ausbildung, 178-179.

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JÜNGERKLATSCH

Thema: Gesunde Lehre In diesen kurzen Episoden unterhalten sich zwei Theologen über Jesus, das alltägliche Leben und genießen dabei Kaffee, obwohl sie auf zwei Kontinenten leben. Was könnte spannender und…

Thema: Gesunde Lehre

In diesen kurzen Episoden unterhalten sich zwei Theologen über Jesus, das alltägliche Leben und genießen dabei Kaffee, obwohl sie auf zwei Kontinenten leben. Was könnte spannender und entspannender sein als sich in regelmäßigen Abständen zum Jüngerklatsch zu treffen? Bist Du dabei?

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Gefahren eines Theologiestudiums

In diesem dritten Eintrag zu meinen Überlegungen über ein Theologiestudium und zur theologischen Ausbildung im Generellen, möchte ich auf ein paar Gefahren des Theologiestudiums – und darüber wie man Theologie…

In diesem dritten Eintrag zu meinen Überlegungen über ein Theologiestudium und zur theologischen Ausbildung im Generellen, möchte ich auf ein paar Gefahren des Theologiestudiums – und darüber wie man Theologie praktiziert – hinweisen.

Einen großen Anstoß zu diesem Thema hat mir das Buch A Little Exercise for Young Theologians von Helmut Thielicke gegeben. Dies ist wohl das Schwergewicht in diesem Blogeintrag. In den letzten Wochen habe ich dann auch noch zwei weitere Bücher, die Thielickes sehr ähnlich sind, gelesen: A Little Book for New Theologians: Why and How to Study Theology von Kelly M. Kapic und A Little Book for New Bible Scholars von E. Randolph Richars und Joseph R. Dodson. Auch zwei Artikel (eines von Gerald L. Bray und eine Rede von B. B. Warfield) haben meine Gedanken beeinflusst.

Thielicke spricht von „theologigal puberty“ (S. 12; vgl. S. 15) und „intellectual hypertrophy[i]“ (S. 31)  und meint damit, dass viele Theologiestudenten in ihrer Anfangszeit aufgeplustert von ihrem „neuen“ Wissen kaum noch mit den Gemeinden kommunizieren können. Für den Universitätsprofessor Thielicke ist es wichtig, dass der Theologe und Pastor[ii] mit dem „normalen“ Volk auf eine gewöhnliche Art und Weise reden kann. Bray spricht scherzhaft davon, dass es natürlich schön wäre, wenn „everyone knew what an infralapsarian antediluvian postmillenarian apocalyptic Arminian is” (S. 56), weil man ja nie wisse wann man einen trifft. Aber im Ernst, sowohl in der Predigt als auch in einem Vortrag sollte der Theologenpastor in der Lage sein, so zu kommunizieren, dass man ihm[iii] auch folgen kann.

Warum ist dies aber so wichtig? Hier kommt wieder Bray zu Wort der meint, dass ein unverständlicher Theologe (ein Widerspruch für Bray) so entsetzlich sei, weil er die Worte des ewigen Lebens verschleiert und in die Verwirrung führt, so dass niemand mehr Zugang hierzu hat (S. 56).

An illiterate grandmother in New Guinea who has met with Jesus is a greater theologian than a university professor of the subject who has notFür Bray und Thielicke (und auch für mich!) ist rechte und somit orthodoxe Theologie (Verständnis von Gott) von außerordentlicher Bedeutung. Doch beide haben noch mehr anzumerken. Bray schreibt: „An illiterate grandmother in New Guinea who has met with Jesus is a greater theologian than a university professor of the subject who has not […] Without a personal experience of God, theology is a waste of time – indeed, it is quite meaningless” (S. 49). Und Thielicke spricht von einem geistlichen Tod eines orthodoxen Theologen „while perhaps a heretic crawls on forbidden bypaths to the sources of life” (S. 37).

Theologie sollte immer im Gespräch mit Gott geführt werden. Thielicke schreibt in seinem Kapitel „The Study of Dogmatics with Prayer“ (S. 33):

The man who studies theology, and especially he who studies dogmatics, might watch carefully whether he increasingly does not think in the third rather than the second person. You know what I mean by that. The transition of one to the other level of thought, from a personal relationship with God to a merely technical reference, usually is exactly synchronized with the moment that I no longer can read the word of Holy Scripture as a word to me, but only as the object of exegetical endeavors.

Gleiches bemängelt auch Richard Bauckham (Britischer Neutestamentler). Er warnt junge Theologen/Exegeten, dass wenn man die Bibel rein akademisch betrachtet „it can seem that the more carefully one understands how a text spoke to its original historical context the less it speaks to us.”[iv]

Thielicke warnt weiter, dass die erste Begebenheit in der Bibel, in der wir einer Person begegnen, die von Gott und nicht mehr mit Gott spricht, die Schlange im Paradies ist. Dies, so Thielicke, sollte uns zu bedenken geben (S. 34).

In seiner Ansprache an neue Theologiestudenten am Princeton Theological Seminary, sagte Warfield folgendes und spricht so eine weitere Gefahr des Theologiestudiums an (S. 35):

We are frequently told, indeed, that the great danger of the theological student lies precisely in his constant contact with divine things. They may come to seem common to him, because they are customary. […] The very atmosphere of your life is these things [i.e., God, religion, and salvation]; you breathe them in at every pore; they surround you, encompass you, press in upon you from every side. It is all in danger of becoming common to you! God forgive you, you are in danger of becoming weary of God!

In diesem Zusammenhang besteht dann auch die Gefahr von Gott nur noch in der dritten Person zu sprechen. Aber es ist nicht das akademische Arbeiten an sich das dieses verschuldet. Richards and Dodson schreiben (Kindle-Positionen 673-674):

It’s not that academic study causes a dry spiritual life; rather, neglecting our spiritual life causes us to dry up, even if what we are studying is God’s Holy Word. Someone who refuses to eat will starve to death even if they are working in a pastry shop.

Jesus loves me, this I know, for the Bible tells me soDas kann ich nur bestätigen. Um zum Schluss zu kommen, möchte ich an einen der größten Theologen des 20. Jh. verweisen – Karl Barth. 1962 sprach er in der Rockefeller Chapel an der Universität von Chicago. Dort wurde er gefragt, ob er sein Lebenswerk in einem Satz beschreiben könne. Auf diese Frage antwortete Barth: „Jesus loves me, this I know, for the Bible tells me so.”[v] Das nenne ich mal auf den Punkt gebracht.

 

Literaturhinweis:

  • Bray, Gerald L. “Rescuing Theology from the Theologians.” Themelios 24, (February 1, 1999): 48-57.
  • Kapic, Kelly M. A Little Book for New Theologians: Why and How to Study Theology. Downers Grove, IL: IVP Academic, 2012.
  • Richards, E. Randolph, and Joseph R. Dodson. A Little Book for New Bible Scholars. Downers Grove, IL: IVP Academic, 2017.
  • Thielicke, Helmut. A Little Exercise for Young Theologians. Grand Rapids; MI: Eerdmans, 1962.
  • Warfield, Benjamin Breckinridge. “The Religious Life of Theological Students.” Themelios 24, (May 1, 1999): 31-41.

 

 

[i] Hypertrophie wird vom Duden als „Übermaß, Übersteigertsein, Überzogenheit“ bezeichnet
[ii] Wobei nicht unbedingt zwischen den beiden unterschieden muss: siehe z. B https://www.pastortheologians.com und auch einige Literatur hierzu.
[iii] Die gewählten Begriffe „Student“, „Theologe“, „Pastor“ etc. ist rein grammatikalisch auf das männliche Geschlecht begrenzt und soll hier kein theologisches Argument sein.
[iv] Richard Bauckham, “A Life with the Bible” in I (Still) Believe: Leading Bible Scholars Share Their Stories of Faith and Scholarship, ed. John Byron and Joel N. Lohr (Grand Rapids: Zondervan, 2015), 28. Gefunden in Richards und Doson, A Little Book, Kindle-Positionen 660-661.
[v] Dieses Ereignis schildert Constantine R. Campbell, in Richards and Dodson, A Little Book, Kindle- Positionen 1177-1178.
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JÜNGERKLATSCH

Thema: Was wir von Timotheus lernen können – Einführung In diesen kurzen Episoden unterhalten sich zwei Theologen über Jesus, das alltägliche Leben und genießen dabei Kaffee, obwohl sie auf zwei…

Thema: Was wir von Timotheus lernen können – Einführung

In diesen kurzen Episoden unterhalten sich zwei Theologen über Jesus, das alltägliche Leben und genießen dabei Kaffee, obwohl sie auf zwei Kontinenten leben. Was könnte spannender und entspannender sein als sich in regelmäßigen Abständen zum Jüngerklatsch zu treffen? Bist Du dabei?

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Die Bibel als Grundlage gesunder Theologie

Dies ist der zweite Eintrag in meinen Überlegungen zum Theologiestudium und zur theologischen Ausbildung. Dieser Eintrag ist mit den anderen Beiträgen (die noch kommen werden) als ein Ganzes zu verstehen….

Dies ist der zweite Eintrag in meinen Überlegungen zum Theologiestudium und zur theologischen Ausbildung. Dieser Eintrag ist mit den anderen Beiträgen (die noch kommen werden) als ein Ganzes zu verstehen.

Theologie sei eine theoretische Abhandlung und habe mit lebendigem Glauben wenig zu tunWie bereits im vorigen Beitrag erwähnt, habe ich in den letzten Jahren viele Gespräche gehabt, ob ein Theologiestudium wirklich von nützen sei. Viele meinen (darunter auch so einige Christen), dass Theologie heute keinen praktischen Einfluss mehr habe. Darüber hinaus sei Theologie eine theoretische Abhandlung und habe mit lebendigem Glauben wenig zu tun. Doch wenn ich mit einigen Fragen nachhake, merke ich auch oft, dass eine gewisse Theologie bei meinen Gesprächspartnern schon längst vorhanden ist. D.h., jeder von uns hat theologische Vorstellungen, ob wir uns deren bewusst sind oder nicht.

Deshalb habe ich den Verdacht, dass der Vorwurf normalerweise einer gewissen Art der Theologie gilt, oder einer gewissen Weise wie theologisch gearbeitet wird. Aber nur, weil einem eine gewisse Art und Weise nicht gefällt, kann man das ganze Projekt doch nicht aus dem Fenster werfen. Lasst uns mal kurz einen Vergleich mit Kaffee ziehen: So könnte man doch nicht sagen, nur weil einem nicht gefällt wie der Barista den Mocca zubereitet, so sei alle Art von Kaffee nicht brauchbar oder alle Baristas wären so wie dieser. Dies wäre eine falsche Schlussfolgerung. Und genau (denke ich) gilt es für die Theologie.

Mit Latein, Griechisch und Hebräisch bombardiertVielleicht sind wir schon Theologen begegnet (oder haben welche gelesen), die keine Ahnung vom wirklichen (Gemeinde-)Leben haben und theoretischen Abhandlungen folgen, die u.E. belanglos sind. Oder wir haben schon Theologen zugehört (entweder von der Kanzel oder dem Rednerpult) und wurden mit fachlichen Begriffen auf Latein oder Worten aus dem Griechischen und Hebräischen bombardiert, so dass wir nicht wirklich folgen konnten und so auch nichts Erbauliches mit nach Hause nehmen konnten. Ja, das alles ist mir auch schon passiert. Aber, das heißt ja nicht, dass man das Ganze sein lässt.

Meines Erachtens ist es von außerordentlicher Dringlichkeit, dass man sich intensive mit dem Thema Theologie beschäftigt. Denn wie schon oben bereits gesagt, hat jeder von uns eine gewisse Vorstellung von Gott (=Theologie) und wäre es nicht prima, wenn diese mit der Wirklichkeit übereinstimmen würde? Ludwig Feuerbach meinte schon, dass unsere Gottesvorstellung unseren eigenen Vorstellungen entspreche und deshalb eine reine Projektion unserer Psyche sei (siehe auch Freud und andere).  Auch wir Christen treten hier in Fettnäpfchen und müssen deshalb zurück zu den Heiligen Schriften (Bibel) und überprüfen, ob der Gott, dem wir folgen, unserer eigenen Vorstellung entspricht (schlechte Theologie) oder dem Gott der Bibel.

Jeder von uns eine gewisse Vorstellung von Gott = TheologieDa ich aus einer christlichen Perspektive schreibe (und auch noch aus einer protestantischen), sollte es dem Leser klar sein, dass die Bibel in Fragen der Theologie höchste Priorität hat. Ich werde hier nicht für die Inspiration und Autorität der Bibel argumentieren, sondern sie als Voraussetzung gelten lassen. „Aha!“ mag jetzt einer einwerfen: „Also brauchen wir doch eigentlich nur die Bibel und keine Theologie, oder?“ … Naja, das kann man nicht so einfach sagen. Denn auch wenn wir die Bibel lesen, lesen wir diese mit unseren eigenen Vorstellungen (und unsere Theologie).

Außerdem, ist die Bibel ja kein direktes Handbuch im Sinne von „Wenn Fall A eintritt, dann einfach Gebet 259 sprechen und Aktion Y einleiten“. Nein! Vielmehr ist die Bibel ein Buch über Gottes Geschichte mit Seinem Volk, über Sein Eingreifen. Ja, in der Bibel sind auch ethische Leitlinien beschrieben, aber diese sind ja auf unser heutigen Leben zu übertragen. Wir alle brauchen eine gesunde Theologie, da unsere Gedanken unser Handeln beeinflusst. Der Apostel Paulus hat es so formuliert (Philipperbrief 4,8-9):

Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird. Haltet euch bei allem, was ihr tut, an die Botschaft, die euch verkündet worden ist und die ihr angenommen habt; lebt so, wie ich es euch gesagt und vorgelebt habe. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Und an seinen Schüler Timotheus schrieb er im zweiten Brief (3,16-17):

Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen.  So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen; er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.

Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben, „damit“ (wie in vielen Übersetzungen richtig verstanden) ein Jesus-Nachfolger ein gottesfürchtiges Leben gestalten kann. Die Bibel ist also die Grundlage gesunder Theologie. Theologie ist nie etwas rein Abstraktes, sondern wirkt sich auf mein persönliches Leben aus.

Die Bibel ist Grundlage gesunder Theologie; oder besser gesagt gesundem Theologisierens (dazu mehr demnächst).

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Charakter

Da wir nun in Peru angekommen sind und ich mich so langsam auf die theologische Ausbildung in Arequipa, im Hochland und darüber hinaus vorbereite, sind mir noch mal so manche…

Da wir nun in Peru angekommen sind und ich mich so langsam auf die theologische Ausbildung in Arequipa, im Hochland und darüber hinaus vorbereite, sind mir noch mal so manche Dinge in den Fokus gerutscht. In den nächsten Wochen werde ich meine Gedanken zur theologischen Ausbildung mit Themen wie „Warum theologische Ausbildung?“, „Gefahren des Theologiestudiums“ und „Gründe des Theologiestudiums“ etc. nach und nach auf unserem Blog online stellen.

Heute möchte ich mich auf Gedanken konzentrieren, die beim Lesen eines Klassikers gekommen sind: The Intellectual Life von A. G. Sertillanges (ursprünglich auf französisch 1920 veröffentlicht).[i]

Vieles werde ich hier nur anreißen, da ich in den nächsten Wochen und Monaten mehr dazu sagen werde.

Study must first of all leave room for worship, prayer, direct meditation on the things of GodBereits in seiner Einführung schreibt Sertillanges: „When the thinker thinks rightly, he follows God step by step” (S. xviii). Gott folgen, sich auf Sein Wort einlassen, sich in Seine Wahrheit mithineinnehmen lassen, sich von Ihm formen lassen. Das ist es was einen wahren Studenten der Schrift und der Theologie ausmacht: „…study must first of all leave room for worship, prayer, direct meditation on the things of God” (S. 28).

Ein üblicher Vorwurf an heutige Theologen ist, dass ihre Gedanken und Theologien oftmals unnütze seien. Das stimmt hier und da auch. Aber oftmals habe ich in Gesprächen auch gesagt bekommen, es sei auch nicht nötig Theologie zu studieren und viel Zeit in seinem Kämmerlein zu verbringen (verlieren).The time of the thinker, when he really uses it, is in reality charity to all Auch hierzu hat Sertillanges etwas zu sagen: „The time of the thinker, when he really uses it, is in reality charity to all” (S. 99). Dem kann ich nur zustimmen. Wie oft habe ich schön Predigten oder auch Vorträgen zugehört und dachte so bei mir: „Wenn er oder sie doch nur ein wenig mehr Zeit in der Vorbereitung verbracht hätte…“. Aber genau das Gleiche gilt natürlich auch für meine Vorbereitungen (wobei ich hier oft auf der anderen Seite vom Pferd falle). Es braucht Zeit Gedanken reifen zu lassen, Konzepte zu verstehen, wahrhaftig zu leben.

Was ist aber das Ziel des Lebens (oder zumindest der theologischen Ausbildung)?

Hierzu werde ich noch Ausführlicheres schreiben. Aber ein Satz von Sertillanges fasst es schon mal ganz gut zusammen: „What matters most in life is not knowledge, but character” (S. 235). What matters most in life is not knowledge, but characterCharakter oder auch „Spiritual Formation“ (wie es oft im Englischen in diesem Zusammenhang benutzt wird). Dies hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf wie man studiert, wie Ausbildungsstätten “Ausbildung“ und „Erziehung“ verstehen und vor allem wie man seinen christlichen Dienst lebt.

Abschließen möchte ich mit den Worten von Thomas a Kempis:[ii]
 

Wahrhaftig! hochgelehrte Worte machen den Menschen weder heilig noch gerecht; aber ein christliches Leben macht uns Gott angenehm. Trachte du, die Reue und Zerknirschung des Herzens viel mehr zu empfinden, als sie schulgerecht erklären zu können. Hättest du die ganze Bibel, und alle Sprüche der Philosophen im Kopfe, aber dabei keine Liebe und Gnade Gottes in deinem Herzen, was würde dir all jenes helfen?

 

 

[i] Übrigens würde ich dieses Buch jedem angehenden Theologiestudenten empfehlen (genauso wie Helmut Thielickes Kleines Exerzitium für Theologen [auf eng.: A Little Exercise for Young Theologians]).

[ii] Die Nachfolge Christi, Buch 1, Kapitel 1. Im Englischen nicht ganz so knochig übersetzt: “Indeed it is not learning that makes a man holy and just, but a virtuous life makes him pleasing to God. I would rather feel contrition than know how to define it. For what would it profit us to know the whole Bible by heart and the principles of all the philosophers if we live without grace and the love of God?”

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