Gemeinsam unterwegs

Familie Marx in Peru

Kategorie: Theol.Eck

Jüngerklatsch

Thema: Beruf & Geld In diesen kurzen Episoden unterhalten sich zwei Theologen über Jesus, das alltägliche Leben und genießen dabei Kaffee, obwohl sie auf zwei Kontinenten leben. Was könnte spannender…

Thema: Beruf & Geld

In diesen kurzen Episoden unterhalten sich zwei Theologen über Jesus, das alltägliche Leben und genießen dabei Kaffee, obwohl sie auf zwei Kontinenten leben. Was könnte spannender und entspannender sein als sich in regelmäßigen Abständen zum Jüngerklatsch zu treffen? Bist Du dabei?

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Souverän

Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt! (Hiob 1,21) Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die…

Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!
(Hiob 1,21)

Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.
(Römer 8,28)

Als ich letztens von dem schweren Unfall in unserer Nähe gehört habe, bei dem zwei Deutsche ums Leben kamen und zehn weitere verletzt wurden, kamen mir Gedanken der Hilflosigkeit.

Was macht man als Tourist, wenn man in so einem schweren Unfall verwickelt ist und evtl. die Landessprache nicht spricht? Wie kommuniziert man mit den Behörden, mit den Ärzten? Von welcher Hoffnung, wenn überhaupt, kann man da noch sprechen? Ich bin froh, dass sich zwei unserer deutschen Missionare auf den Weg gemacht haben, die Leute im Krankenhaus zu besuchen, sie zu trösten, ihnen bei Übersetzungen zu helfen, ihre Angehörigen (die aus Deutschland kamen) in ihr Haus aufzunehmen usw.

So ein Unfall ist eine schwere Tragödie und ich will diese gar nicht erst versuchen vollkommen zu verstehen oder theologisch zu deuten. In diesem Beitrag möchte ich lediglich ein paar Gedanken zu der Losung am 25. April 2018 niederschreiben. Primär zu dem Vers aus Hiob:

Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen;
der Name des HERRN sei gelobt!

Dieser Vers wird auch in modernen Lobpreisliedern gesungen. So heißt es in einer „bridge“ eines Liedes:

English Deutsch Español
You give and take away
God give and take away
My heart will choose to say
Lord, blessed be Your name
Du gibst und nimmst hinweg
Du gibst und nimmst hinweg
Mein Herz ruft aus zu Dir
Dein Name sei gelobt

Tú das y tomas, Dios
Tú das y tomas, Dios
Y yo siempre diré
Bendito eres Señor

Oft frage ich mich, ob wir uns bewusst sind, was wir da eigentlich singen. Den ersten Teil kann ich natürlich theologisch zustimmen. Der Herr des Universums hat selbstverständlich das Recht so zu handeln wie es Seiner Natur entspricht. Ob ich aber jedes Mal „gepriesen sei der Herr“ rufen kann, das kann ich nur schwer singen.

Ähnlich geht es mir bei dem Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen” von Dietrich Bonhoeffer. Dort heißt es in einer Strophe:

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bitter’n
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Bonhoeffer hat es aus der Kraft Gottes so erlebt und gelebt. Ich möchte solche Strophen aber nicht einfach so daher singen (und das am besten noch mit einer Tasse Kaffee in der Hand…). Ich kenne mich und mein Herz und bete oft innerlich bei solchen Liedern, dass Gott mir die Kraft dazu schenken möchte und mein Herz bewahrt.

Zum Schluss noch drei wichtige Aussagen, an denen ich festhalte. Als Theologe und Christ beharre ich an diesen Überzeugungen:

  1. Gott ist gut; Er ist unser Vater und liebt uns
  2. Gott ist souverän; Er hält Alles in Seiner Hand und hat Alles unter Kontrolle
  3. Gott kam zu uns in Jesus Christus und hat am Kreuz gelitten; Er ist kein Gott, der fern des Leidens bleibt
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Kultur

In den letzten paar Wochen habe ich zwei sehr interessante Bücher gelesen und bin gerade an einem dritten. Die ersten beiden sind mehr kultur-anthropologisch und das letzte etwas mehr historisch….

In den letzten paar Wochen habe ich zwei sehr interessante Bücher gelesen und bin gerade an einem dritten. Die ersten beiden sind mehr kultur-anthropologisch und das letzte etwas mehr historisch. Hier möchte ich nur „Snippets“ vorstellen – Dinge, die mich angesprochen haben.

Richard E. Nisbett schreibt in seinem Buch The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently…and Why davon wie westliche Menschen (primär aus den USA) und asiatische Menschen verschieden denken. Natürlich kann man nicht von „der asiatischen“ oder „der westlichen“ Denkweise sprechen, jedoch gibt es zwischen den einzelnen Kulturen (z.B. des Westens) große Überlappung, so dass man diese durchaus etwas zusammenfassen kann.

Wie bereits geschrieben kann ich hier nur Highlights nennen. In dem Kapitel „Is the World Made Up of Nouns or Verbs? Categories and Rules vs. Relationships and Similarities“ schreibt Nisbett (S. 144):

Explicit modeling or rule-making seems to be less characteristic of the causal explanations of East Asians than of Westerners. If Asians are less likely to use rules to understand the world, and less likely to make use of categories, they might find it particularly hard to learn categories by applying explicit rules to objects.

Es geht im gesamten mehr um Beziehungen, die ihren Ausdruck in Verben finden, und nicht um Kategorien, welche durch Nomen beschrieben werden. Dies hat selbstverständlich Implikationen wie man Theologie erlernt und welche Ansätze man hier benutzt. Die westliche Theologie (und besonders die der Dogmatik) benutzt durchweg Kategorien wohingegen die Beziehung der biblischen Theologie als Gesamtes betrachtet werden kann. Meine Frage hierzu ist, ob Peruaner mehr dem westlichen oder dem asiatischen Denken näherstehen. Diese gilt zu beobachten und auf die Art und Weise des Unterrichtens anzuwenden.

Was mir besonders gut an dem Buch gefällt, ist, dass der Autor in keinerlei Weise dahin verfällt „Alles“ aus dem Westen anzuschwärzen und „Alles“ aus Asien zu verherrlichen. In seinen letzten Kapiteln zeigt er durchaus die Vorteile des westlichen Denkens auf, aber natürlich auch die des gesamtheitlichen Denkens Asiens. Wiederum stelle ich fest, dass eine internationale Fakultät mehr als eine Bereicherung für die Studenten, die Lehrkräfte selbst und für die Kultur sein können.

Ein weiteres Buch ist Ministering in Honor-Shame Cultures: Biblical Foundations and Practical Essentials von Jayson George und Mark. D. Baker. In diesem Buch gibt es viele Aspekte, die mich sehr angesprochen haben. Am besten lest ihr das Buch nochmals selber. Aber hier ein paar Eindrücke mit ein paar sehr hilfreichen Tabellen.

Der erste Teil handelt primär von Kulturantrhopologie und gibt große Umrisse der Schamkulturen (Honor-Shame) und der Schuldkulturen (Guilt- Innocence). Es gibt zwar keine reine Schuldkultur und auch keine reinen Schamkulturen, sondern lediglich Kulturen, in denen eines der beiden überwiegt.

Die folgende Tabelle (s. 38) zeigt diese groben Konturen auf:

 

Guilt-Based Cultural Behavior Shame-Based Cultural Behavior
Cultural Context Individualistic, Western Corporate, Majority World
Definition of Normal Rules and laws Expectations and ideals
Guide for Behavior Introspective conscience Public community
Result of Violations guilt Shame
Core Problem “I made a mistake” (action) “I am a mistake” (being)
Affected Party The transgressor The group
Violator’s Response Justify, confess or apologize Hide, flee or cover
Society’s Response Punish to serve justice Exclude to remove shame
Means and Resolution forgiveness Restoration

Und diese Tabelle (S. 60) wie verschiede kulturelle Aspekte von der jeweilig anderen Kultur aufgenommen werden:

Arena of Life Honor-Shame Cultures G-I Assessment of H-S Cultures Guilt-Innocence Cultures H-S Assessment of G-I Cultures
Money Patronage Corrupt, dependent Independence, capitalism Stingy, ungenerous
Communication Indirectness Lying, deceptive Direct, explicit Inconsiderate, crass
Time Event Lazy, tardy Task, efficiency Arrogant, unkind
Hygiene Purity Ritualistic, pharisaical Science, secularism Defiled, unclean
Food Hospitality Obligatory, ostentatious Convenience, functionality Isolated, neglectful
Behavior Social roles Unequal, oppressive Egalitarian, equality Disrespectful, presumptuous

Jetzt noch kurz zwei weitere Aspekte. Im Juni 2016 habe ich einen Vortrag zum Thema „Rettet der Glaube allein`“ gehalten. In diesem Vortrag geht es mir primär um die Verkürzung des Evangeliums und wie wir Glaube (und auch Gnade) verstehen. Oftmals wird das Evangelium mit der Vergebung der Sünde gleichgesetzt. Dies ist aber nicht mit dem biblischen Verständnis vereinbar. Ja, Vergebung unserer Sünden ist ein Teil, eine Auswirkung des Evangeliums, doch das Evangeliums selbst ist viel mehr (dazu demnächst dann nochmal mehr).

Diese Tabelle (S. 181) zeigt die zwei verschiedenen Verständnisse der Erlösung auf:

Process of Salvation

Guilt Based Shame Based

Problem
of Sin

Transgression

People have broken God’s law
through a particular action

Unfaithfulness

People have broken the relationship
with God by being disloyal

Dilemma
of Humans

Guilt

Our moral violations
merit punishment

Shame

Our disgrace
merits banishment

Solution
of Jesus
Restitution

Jesus satisfies the legal
requirements of justice by
enduring retribution for us

Restoration

Jesus bears shame to reconcile
the relationship by repairing honor

Response
of Faith

Confession

People must acknowledge
their wrongdoing

Allegiance

People must be loyal
to honoring God

Result
of Salvation
Forgiveness

God pardons wrongdoings and declares lawbreakers to be innocent

Honor

God makes outcasts his children
and exalts people to eternal glory

Das sind zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Beide haben ihre Stärken. Doch ich denke, dass vor allem unsere Antwort des Glaubens (Response of Faith) besser mit Loyalität beschrieben werden sollte.

Der letzte Aspekt aus dem Buch, den ich hier nennen möchte, ist wie Gemeinschaft, vor allem christliche Gemeinschaft, verstanden und auch gelebt wird. Georges und Baker (von Paul Hiebert herkommend) beschrieben zwei Arten der Gemeinschaft:

  • Bounded Group
  • Cenetered Group

Im Gegensatz zur „bounded group“ setzt die „centered group” einen Schwerpunkt auf den Mittelpunkt der Gemeinschaft und orientiert sich zu diesem Zentrum (Christus!) hin. Zwar gibt es auch Abgrenzungen (boundaries) zu anderen Leuten, diese werden aber weniger von diesen boundaries als von der Beziehung zur Mitte hergesehen. Dies hat Implikationen in der Debatte von „believe-belong“ oder der „belong-believe“ Orientierung. Im Sinne der Evangelisation und der Gemeindegründungsarbeit stellen die Autoren dies so da (s. 185):

Western ministry model Evangelism -> Discipleship -> Community
Majority World model Community -> Discipleship -> Evangelism

Ich habe hierzu noch keine konkrete Antwort und bin für Gespräche mehr als offen. Das folgende Zitat (S. 235) spricht jedoch gute Gedanken aus:

The origin of shame is exclusion, rejection and isolation—a disunion with community, both divine and human. Therefore, the solution for shame is not simply the theological idea of honor, but the realization of honor through genuine community.

Das letzte Buch möchte ich noch nicht vorstellen (da ich es auch noch nicht ganz gelesen habe), sondern nur Werbung hierfür betreiben für alle, die es interessiert:

Literaturhinweis:

  1. Georges, Jayson, and Mark D. Baker. Ministering in Honor-Shame Cultures: Biblical Foundations and Practical Essentials. Downers Grove, IL: IVP Academic, 2016.
  2. González, Justo L., and Ondina E. González. Christianity in Latin America: A History. Cambridge ; New York: Cambridge University Press, 2007.
  3. Nisbett, Richard E. The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently…and Why. New York: Free Press, 2004.
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Telos

Ziel der theologischen Ausbildung Was ist das Ziel (telos) der theologischen Ausbildung? Was wollen wir eigentlich erreichen? Ist theologische Ausbildung eine reine Wissensvermittlung? Diese Fragen werden ich in meinem letzten…

Ziel der theologischen Ausbildung

Was ist das Ziel (telos) der theologischen Ausbildung? Was wollen wir eigentlich erreichen? Ist theologische Ausbildung eine reine Wissensvermittlung? Diese Fragen werden ich in meinem letzten Eintrag der Serie „theologische Ausbildung“ beantworten. Wie schon in dem ersten Eintrag angeklungen ist das Ziel der theologischen Ausbildung keine reine Wissensvermittlung, sondern Spiritualität. Dies werde ich in diesem Beitrag etwas näher erläutern. Zuvor jedoch nochmals eine kleine Zusammenfassung der letzten Beiträge:

  1. Der erste Eintrag war eine Art „Prolegomena“ und hat uns darauf eingestimmt, dass theologische Ausbildung (das christliche Leben im Allgemeinen) nicht das Wissen an sich, sondern Spiritualität und Charakterformation als Ziel hat.
  2. Daraufhin sahen wir wie wir alle eine gewisse Theologie (Gottesvorstellung) haben und wir diese anhand der Heiligen Schriften überprüfen müssen, wenn wir nicht ist das Fettnäpfchen treten wollen und unseren „eigenen Göttern“ folgen. Die Bibel ist Grundlage gesunder Theologie; oder besser gesagt gesundem Theologisierens.
  3. Im dritten Beitrag ging es dann um die Gefahren des Theologiestudiums. An dieser Stelle ging es darum die Bibel rein akademisch zu betrachten; von Gott nur noch in der dritten Person zu sprechen; seine eigene Beziehung zu Gott zu vernachlässigen.
  4. Dann ging es darum zu verstehen was theologische Ausbildung – ja, was Theologie – eigentlich ist. Unsere Theologie, unsere Überzeugungen beeinflussen unser Handeln (vgl. Röm 12,1-2). Wir werden im Ebenbild Christi gestaltet, nach Seinem Wesen geformt. Hierzu gehört unser Denken, Handeln, Fühlen.
  5. Im letzten Beitrag ging es dann noch um die „Notwendigkeit und Wichtigkeit der theologischen Ausbildung“.

Um auf das Ziel der theologischen Ausbildung etwas näher einzugehen, möchte ich zwei interessante Zitate voranstellen:

The proper end of the drama of doctrine is wisdom: lived knowledge, a performance of the truth.[1]

Christians learn doctrine in order to participate more deeply, passionately, and truthfully in the drama of redemption. Intellectual apprehension alone, without the appropriation of heart and hand, leads only to hypocrisy.[2]

Als Jesus einmal gefragt wurde, was eigentlich das höchste Gebot sei, antwortete:[3]

Das wichtigste Gebot ist: ›Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der alleinige Herr. Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft! An zweiter Stelle steht das Gebot: ›Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!‹ Kein Gebot ist wichtiger als diese beiden.

Zwei Aspekte möchte ich hier herausgreifen. Ein Aspekt ist, dass wir lieben sollen (Gott und Mitmensch) und der zweite Aspekt ist das wie – vor allem „mit deinem ganzen Verstand“. Alles, was wir tun, soll zu Ehre Gottes dienen (1Kor 10,31). Wenn wir lieben, erfüllen wir das Gesetz (Röm 13,10). Zu all dem gehört der Einsatz unseres ganzen Seins – also auch unseres Intellekts.

Spiritualität

Das primäre Ziel der christlichen Verkündigung und Unterweisung sind geistlich reife Menschen (welche, die in Christus vollkommen sind). So schreibt Paulus (Kol 1,28):

Ihn, Christus, verkünden wir; wir zeigen jedem Menschen den richtigen Weg und unterrichten jeden Menschen ´in der Lehre Christi`; wir tun es mit der ganzen Weisheit, ´die Gott uns gegeben hat`. Denn wir möchten jeden dahin bringen, dass er durch die Zugehörigkeit zu Christus als geistlich reifer Mensch ´vor Gott` treten kann.

Wenn dies das allgemeine Ziel des christlichen Lebens ist, dann kann das Ziel theologischer Ausbildung nicht anders verstanden werden. So sehen wir das Ziel auch als geistliche Prägung (Eng.: spiritual formation). Diese begründet Bernhard Ott, von Römer 12,1-2 herkommend, trinitarisch: Das Ganze des theologischen Studiums soll als Spiritualität verstanden werden. Diese ist von Gottes Geist gewirkt, in Jesus be- und gegründet und auf Gott-Vater hin ausgerichtet. Es ist eine Lebensgestaltung.[4]

Somit ist auch die Rolle des Lehrers nicht die des Wissensvermittlers, sondern eher vergleichbar die einer Hebamme. Der Lehrer bereit somit „nur“ den Rahmen des Lernens und nimmt auch als Lernender teil:

Teachers themselves are also seeking personally to appropriate wisdom about God and about themselves in relation to God. At most, the teacher ‘teaches’ only indirectly by providing a context in which the learner may come to that combined self-knowledge and God-knowledge that is a ‘personal appropriation’ of revealed wisdom.[5]

Theologisieren

Im zweiten Beitrag hatte ich bereits geschrieben, dass das Ziel theologischer Ausbildung das Theologisieren sei. Nun möchte ich beschreiben und näher betrachten, was damit gemeint ist.

Auf einer Homepage für Theologie-Studierende las ich folgendes:

Das Theologiestudium fordert die eigene Person und deren Einstellung zur Welt und zu Gott heraus…. Theologie studieren heißt nicht nur, sich mit Traditionen auseinander zu setzen, sondern auch neue, überraschende Einsichten gewinnen. Es heißt nicht nur, Texte zu lesen, sondern auch Menschen und deren Kon-Texte zu verstehen.[6]

Man kann schon erahnen was mit Theologisieren gemeint ist. Es geht um ein gründliches Studium der Schrift und der Tradition, das sein Ergebnis erst in der Verbindung mit dem heutigen Kontext findet. Es reicht nicht Texte und Traditionen zu kennen und sie 1:1 auf heute anwenden zu wollen. Es geht darum verantwortlich im Hier-und-Jetzt zu leben. Thorsten Dietz schreibt in seinem Buch Sünde folgendes: „Christen, die ihre Sprache, ihre Umgangsformen, ihre Denkschablonen nicht immer wieder in Frage stellen, neu ausrichten und verändern, leben nicht mit einem lebendigen Gott.“[7] Sprache, Umgangsformen und Denkschablonen müssen immer wieder hinterfragt werden damit der christliche Glaube Aktualität erlangt.

Ott sieht die Existenzbegründung und Aufgabe der Kirche folgendermaßen:[8]

  • Gottes Herrschaft anerkennen und feiern: Gottesdienst (leitourgia)
  • Gottes Herrschaft in der Geschichte verkörpern: Gemeinschaft (koinonia)
  • An der Gabe von Gottes Herrschaft teilhaben und sie repräsentieren und ankündigen: Mission (martyria)[9]

Daher muss theol. Ausbildung Leiter dazu befähigen, andere anzuleiten die Aufgaben der

Gemeinde wahrzunehmen. Aber es geht nicht nur um die Kirche per se, sondern um ihre Sendung in die Welt.[10] Kevin J. Vanhoozer beschreibt die Aufgabe der öffentlichen Theologie als solche, die hilft das Volk Gottes so zu formen, dass die eine Hermeneutik der Liebe Gottes sind.[11]

Ausgehend von Matt 28,20 stellt Klaus W. Müller richtig fest, dass das Ziel nicht im Lehren, sondern im Halten liegt: „Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Es geht nicht um das tradieren theologischer Inhalte, sondern um das Gehorchen in der heutigen Zeit.[12] Dies wiederum schwingt im Zwei-Klang mit Spiritualität.

Das Programm der „Ecumencial Theological Education“ des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat folgende Kompetenzen aufgelistet, die durch eine theologische Ausbildung mitgeprägt werden sollen:[13]

  • Pastorale Kompetenz in Verkündigung und Seelsorge
  • Leitungskompetenz mit der Fähigkeit zum Verzicht auf Dominanz und der Fähigkeit, in Konflikten zu vermitteln
  • Theologische Kompetenz als Verarbeitung der biblischen Grundlage und der Tradition der Kirche, aber auch mit der Fähigkeit, die geistlichen Erfahrungen und Einsichten der Gemeindeglieder zu erkennen und fruchtbar zu machen
  • Missionarische Kompetenz, um das Evangelium in Wort und Tat in kultursensibler Form weiterzugeben
  • Ökumenische Kompetenz, um andere christliche Traditionen zu würdigen und mit ihnen zusammenarbeiten zu können

Diese Kompetenzen werden m.E. durch eine internationale Fakultät bereichert. So hat man „kritische Gesprächspartner aus anderen Kulturen“ mit denen man theologisieren kann – auf nicht-nur-westliche Art und Weise.[14]

Abschließend

Das Ziel der theologischen Ausbildung wurde grob mit den Stichworten „Spiritualität“ und „Theologisieren“ zusammengefasst. Es geht um reife Christen, die in der Lage sind andere anzuleiten die Aufgaben der Gemeinde wahrzunehmen; biblische Antworten auf heutige Fragen zu finden; und dem Volk Gottes zu helfen eine Hermeneutik der Liebe Gottes zu sein.

Nun gilt es einige abschließende Gedanken zu äußern bzw. mein Verständnis meiner Rolle in der theologischen Ausbildung kurz aufzuzeigen: Wie schon angeklungen ist theologische Ausbildung keine reine Wissensvermittlung. Sie geschieht jedoch auch nicht vom Wissen und Denken losgelöst. Es geht darum Denken und Handeln zu vereinen und eine „gelebte Spiritualität“[15] zu fördern.

Der Lehrende ist also nicht nur Wissensvermittler, sondern vor allem „Hebamme“. Er oder sie lebt entsprechend dem chr. Glauben, forscht in den Schriften, lebt in Gemeinschaft mit Gott und Mensch so wie es Gott gefällig ist, um anderen zu helfen dies ebenfalls zu tun.

Vanhoozer erinnert sich an seinen Französischlehrer der einmal folgendes sagte:

The joy of teaching lies not in one’s own enthusiasm for the students, or even for the subject matter, but rather for the privilege of introducing the one to the other.

Er schließt daraus:

If this is true of French, chemistry, or history, how much more is it true of the pastor’s passion, which is not simply love of God or love of people, but rather the love of introducing the one (people) to the other (God)? The pastor’s special charge is to care for the people of God by speaking and showing and by being and doing God’s truth and love. Success in ministry is determined not by numbers (e.g., people, programs, dollars) but by the increase of people’s knowledge and love of God. This is the only way ‘to present everyone mature in Christ” (Col. 1:28).’[16]

Dies kann durchaus auf die theologische Ausbildung im allgemeinen übertragen werden. Zum Schluss noch ein Wort des Ambroisus (De officiis ministrorum, 1.1.3):

Nicht den Ruhm der Apostel maße ich mir an — wer dürfte dies denn außer den Jüngern, die der Sohn Gottes selbst hierzu erwählt hat? —, nicht der Propheten Gnadengabe, nicht die Gewalt der Evangelisten, nicht der Hirten Sorgfalt: nur jenen Fleiß und Eifer in Sachen der göttlichen Schrift verlange ich mir, welche der Apostel an letzter Stelle unter den Ämtern der Heiligen aufführte, und auch diesen nur, um aus dem eifrigen Lehren lernen zu können. Denn nur einen wahren Lehrer gibt es: er allein brauchte nicht lernen, was er alle lehrte; Menschen aber müssen erst lernen, was sie lehren, und empfangen von ihm, was sie anderen überliefern sollen.

Dafür möchte ich mein Leben geben.

 

 

[1]     Kevin J. Vanhoozer, The Drama of Doctrine: A Canonical-Linguistic Approach to Christian Theology, 1st ed. (Louisville, KY: Westminster John Knox Press, 2005), 21.

[2]     Ibid., 107.

[3]     Mk 12,29-31

[4]     Bernhard Ott, Handbuch Theologische Ausbildung: Grundlagen – Programmentwicklung – Leitungsfragen, 2nd edition. (Schwarzenfeld: Neufeld Verlag, 2013), 189. Siehe auch das Manifesto der International Council for Evangelical Theological Education (ICETE) dargestellt (siehe auch http://www.icete-edu.org/manifesto/). Ad 7. Integrated Programme: “Our programmes must be designed to attend to the growth and equipping of the whole man of God. This means, firstly, that our educational programmes must deliberately foster the spiritual formation of the student.“

[5]     David H. Kelsey, Between Athens and Berlin: The Theological Education Debate (Eugene, OR: Wipf & Stock, 2011), 20.

[6]     “Theologie Studieren,” Homepage der EKD, 2016, http://www.ekd.de/theologiestudium/startseite_ theologiestudium.html.

[7]     Thorsten Dietz, Sünde: Was Menschen heute von Gott trennt (SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag, 2016), 27.

[8]     Ott, Handbuch Theologische Ausbildung, 170.

[9]     Warum die diakonia nicht gelistet wird, ist bei Ott nicht erkenntlich.

[10]   Ott, Handbuch Theologische Ausbildung, 171.

[11]   Kevin J. Vanhoozer, “Introduction: Pastors, Theologians, and Other Public Figures,” in The Pastor as Public Theologian: Reclaiming a Lost Vision, ed. Kevin J. Vanhoozer and Owen Strachan (Grand Rapids, MI: Baker Academic, 2015), 21.

[12]   Klaus W. Müller, “Ausbildung des Missionars zum Lehrer und Mentor,” in Ausbildung als missionarischer Auftrag: Referate der Jahrestagung 1999 des AfeM, ed. Klaus W. Müller and Thomas Schirrmacher (Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2000), 103.

[13]   Jürgen Quack, “Kontextualisierung westlicher Ausbildungssysteme,” in Ausbildung als missionarischer Auftrag: Referate der Jahrestagung 1999 des AfeM, ed. Klaus W. Müller and Thomas Schirrmacher (Bonn: Verlag für Kultur und Wissenschaft, 2000), 206.

[14]   Ibid., 222.

[15]   Eigentlich ist dieser Begriffe ein Oxymoron. Eine Spiritualität kann nur gelebt werden oder sie verliert ihre Definition.

[16]   Vanhoozer, “Introduction: Pastors, Theologians, and Other Public Figures,” 22.

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Horizont

Bevor ich zu meinem letzen Beitrag bzgl. „theologischer Ausbildung“ komme, möchte ich heute von meiner kleinen Reise in der letzten Woche erzählen. Da wir uns noch im Orientierungsjahr befinden, dürfen…

Bevor ich zu meinem letzen Beitrag bzgl. „theologischer Ausbildung“ komme, möchte ich heute von meiner kleinen Reise in der letzten Woche erzählen. Da wir uns noch im Orientierungsjahr befinden, dürfen Dany und ich uns verschiedene Einsatzmöglichkeiten und Dienste zwanglos anschauen. Deshalb habe ich mich mit Markus Völker (auch von der DMG hier in Peru) in Richtung Lima und später auch Huánuco aufgemacht.

In Lima durfte ich die „Universidad Seminario Evangélico de Lima“ (USEL) besuchen. Die Missionsgemeinschaft hat bereits langjährigen Kontakt zu dieser Institution. Eine kleine Anekdote hierzu. Meine Absicht war es einfach diese Universität kennenzulernen, um mir einen allgemeinen Eindruck zu verschaffen. Ein anderer Missionar (aus Süd-Korea) der SIM ist Präsident des Vorstands der Uni. Er schrieb mir, er würde ein Termin mit dem Rektor planen, so dass wir miteinander sprechen können. Das klang sehr gut!

Als ich dann mit Markus zum vereinbarten Zeitpunkt an der Uni ankam, saß ein Gremium bereits am Tisch, um mich kennenzulernen. Einer der ersten Sätze des akademischen Direktors war: „Also, wenn sie jetzt am 1. April bei uns anfangen, dann könnten Sie…“. Weitere Fragen waren, ob ich auch Griechisch und den Römerbrief unterrichten könnte. Naja … eigentlich wollte ich ja nur mal reinschnuppern. Da – wie bereits geschrieben – wir im Orientierungsjahr sind, dürfen wir eh keinen Dienst annehmen… was Markus und ich dann auch verdeutlichten. Im Allgemeinen verlief das Gespräch aber trotzdem sehr gut.

Am darauffolgenden Tag durfte ich mich dann noch mit Dr. Tito Paredes (Bild: rechts) treffen. Dr. Paredes hat ein eigenes Institut zur Missiologie (CEMAA) aufgebaut. Dieses Gespräch verlief so wie ich es mir vorgestellt hatte: Bei Kaffee und Inka-Kola plauderten wir ein wenig, um uns näher kennenzulernen und er stellte mir auch die Arbeit vor.

Mittwochs ging es dann schon Richtung Huánuco. Dort befindet sich eines der Seminare der I.E.P. (Iglesia Evengélica Peruana). Donnerstags saßen Markus und ich in fünf Unterrichtseinheiten der verschiedenen Jahrgänge (mit ca. 25 Studenten hat das Seminar vier Jahrgänge – der 3. Jahrgang besteht aus einer Studentin aus dem Dschungel). Auch hier konnten wir einen guten Eindruck gewinnen. Besonders beeindruckt hat mich der Unterricht des Kirchenhistorikers – Cipriano Quispe (Bild: links).

Insgesamt war diese Reise „erfolgreich“ und hat meinen Horizont definitiv erweitert. Wir sind gespannt was Gott uns auch hier in Arequipa noch so alles zeigen wird. Dazu dann später noch mehr.

 

 

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Not

Dies ist der vorletzte Beitrag zum Thema „Theologische Ausbildung“. Ich werde an dieser Stelle noch einmal die ersten vier Einträge kurz anreißen und zusammenfassen, bevor wir dann zu der Thematik…

Dies ist der vorletzte Beitrag zum Thema „Theologische Ausbildung“. Ich werde an dieser Stelle noch einmal die ersten vier Einträge kurz anreißen und zusammenfassen, bevor wir dann zu der Thematik „Die Notwendigkeit und Wichtigkeit der theologischen Ausbildung“ kommen. In den ersten vier Einträgen haben wir folgendes beobachten können:

  1. Der erste Eintrag war eine Art „Prolegomena“ und hat uns darauf eingestimmt, dass theologische Ausbildung (das christliche Leben im Allgemeinen) nicht das Wissen an sich, sondern Spiritualität und Charakterformation als Ziel hat.
  2. Daraufhin sahen wir wie wir alle eine gewisse Theologie (Gottesvorstellung) haben und wir diese anhand der Heiligen Schriften überprüfen müssen, wenn wir nicht ist das Fettnäpfchen treten wollen und unseren „eigenen Göttern“ folgen. Die Bibel ist Grundlage gesunder Theologie; oder besser gesagt gesundem Theologisierens.
  3. Im dritten Beitrag ging es dann um die Gefahren des Theologiestudiums. An dieser Stelle ging es darum die Bibel rein akademisch zu betrachten; von Gott nur noch in der dritten Person zu sprechen; seine eigene Beziehung zu Gott zu vernachlässigen.
  4. Dann ging es darum zu verstehen was theologische Ausbildung – ja, was Theologie – eigentlich ist. Unsere Theologie, unsere Überzeugungen beeinflussen unser Handeln (vgl. Röm 12,1-2). Wir werden im Ebenbild Christi gestaltet, nach Seinem Wesen geformt. Hierzu gehört unser Denken, Handeln, Fühlen.

Jetzt können wir zum heutigen Thema schreiten. Warum benötigen wir eigentlich theologische Ausbildung? Was ist die Not? Ian Payne spricht von 100.000 Menschen, die täglich zum chr. Glauben (darunter 30.000 Chinesen) kommen.[1] Wenn 1 Leiter auf 100 Menschen fiele, sprächen wir von einer Ausbildung von 1.000 Leitern – pro Tag! Hieraus schließt Payne theologische Ausbildung sei durch und durch missional. Theologische Ausbildung ist durch und durch missional

Sills, Professor für Missiologie an dem Southern Baptist Theological Seminary und ehemaliger Missionar unter den Quechua Einwohnern in Ecuador, berichtet von Pastoren, welche ihn baten keine neuen Gemeinden zu gründen. Viele der Pastoren waren schon mit 8-10 Gemeinden, die sie betreuten, mehr als überlastet. Sie baten jedoch um theologische Ausbildung für weitere Leiter.

85% der Pastoren weltweit haben keine theologische AusbildungIn den USA hat man ein (1) ausgebildeten Leiter für 235 Menschen. Verlässt man die USA ist ein (1) Leiter für 450.000 Menschen da. Jedoch können 85% der Pastoren in der Welt keine theologische Ausbildung genießen.[2] Die Frage, die sich mir oft stellt, ist: Was wird in diesen Gemeinden gelehrt? Was verkündigen die Pastoren jeden Sonntag in den Versammlungen?

Christen brauchen biblische Antworten auf ihre Fragen. Wenn sie diese nicht haben werden die Antworten von irgendwo herkommen (denn die Fragen bleiben ja durchaus bestehen). Die einzigen Informationen zum Evangelium, die vielen Einheimischen vorhanden sind, sind die der Missionare. Missionare bilden die Theologie der jungen Gläubigen.[3]

Manche meinen vielleicht einwerfen zu können: Reicht denn nicht, dass sie die Bibel und den Heiligen Geist haben? Aus biblischer Sicht kann man hier nur mit einem „Nein“ antworten.[4] Warum sonst gäbe es Lehrer in der Gemeinde?

Er ist es nun auch, der ´der Gemeinde` Gaben geschenkt hat: Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten, die Evangelisten, die Hirten und Lehrer. Sie haben die Aufgabe, diejenigen, die zu Gottes heiligem Volk gehören, für ihren Dienst auszurüsten, damit ´die Gemeinde`, der Leib von Christus, aufgebaut wird. (Eph 4,11-12)

Leiter (und Christen im Allgemeinen!) müssen gelehrt werden wie sie mit den Schriften umzugehen haben:

Setze alles daran, dich vor Gott als ein bewährter Mitarbeiter zu erweisen, der sich für sein Tun nicht zu schämen braucht und der die Botschaft der Wahrheit unverfälscht weitergibt. (2Tim 2,15)

Papst Johannes Paul II sprach nach seiner Lateinamerikareise davon, der Kontinent müsse neuevangelisiert werden. In seinem Schreiben an die Bischöfe dort liest man u.a.:

In fact, today there occur in many places—the phenomenon is not a new one—"re-readings" of the Gospel, the result of theoretical speculations rather than authentic meditation on the word of God and a true commitment to the Gospel.[5]

Hier wird ganz klar die Gefahr des Synkretismus angesprochen. Eine der größten Gefahren bei nicht vorhandener theologischen Ausbildung ist Synkretismus (oder gar Häresie). Auch animistische Züge kehren oft in die christliche Theologie – und die daraus resultierende Praxis –  ein. Sills berichtet von Praktiken mancher großen Gemeinden in Nigeria, welche durch Zauber (juju) Macht heraufbe-schwören umso mehr Gottesdienstbesucher zu erzielen.[6]

Aber es sind nicht nur Gefahren auszumachen. Philip M. Steyne schreibt: „Die schnell wachsenden Kirchen der dritten Welt beginnen nun, ihre eigenen Werte und Überzeugungen zu formulieren. Sie entwickeln neue Theologien, die sich bewusst mit Fragen auseinandersetzen, die westliche Theologen bisher ignoriert oder übersehen haben, da diese Fragen für sie bedeutungslos waren.“[7]

Theologie muss auf Gottes Wort aufbauenEine Wechselwirkung kann wahrgenommen werden. Zu einem müssen Theologen, Missionare und Pastoren im Globalen Süden ausgebildet werden. Zum anderen können auch wir viel von diesen Theologen lernen. Die Frage jedoch bleibt bestehen auf was man seine Theologie aufbaut. Es ist äußerst wichtig seine eigene Theologie auf dem Wort Gottes aufzubauen und daraus herleitende Antworten auf heutige Fragen zu finden. Dies ist nicht immer gegeben, da auch einige Theologen der südlichen Hemisphäre in eher liberalen Ausbildungsstätten ihre theologische Ausbildung unternehmen.[8]

Eine gesunde theol. Ausbildung ist wichtig für gesunde Gemeinden. Jesus spricht (Matt 9,37-38):

Die Ernte ist groß, doch es sind nur wenig Arbeiter da. Bittet deshalb den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt!

Mal ganz praktisch gedacht: Wer möchte gerne zu einem Arzt gehen, der keine medizinische Ausbildung genossen hat? Wer möchte schon gerne in Rechtsfragen zu einem Anwalt gehen, der von Gesetzen in Deutschland keine Ahnung hat? Wer möchte gerne einen Pastor haben, der keine theologische Ausbildung genossen hat, sich also weder in der Bibel noch in der Geschichte der Kirche auskennt? Also, ich nicht. Und wahrscheinlich auch keiner von Euch.

 

 

[1]     Ian Payne, “Access to Theological Education: Goals, Aims, and Challenges” (2012 Lausanne Consultation on Global Theological Education, Gordon-Conwell Theological Seminary in South Hamilton, MA, 29. May – 1. June), https://www.lausanne.org/content/access-to-theological-education-goals-aims-and-challenges-2. Kirk Franklin, “Holistic Help for the Peoples of This Earth: From Sudan to Switzerland,” in International Development from a Kingdom Perspective, ed. James Butare-Kiyovu (Pasadena, CA: William Carey International University Press, 2010), 69, spricht von 77.000. Davon kommen 70.000 (also 91%) aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Franklin lehnt sich an folgende Studie an: Missiometrics 2008: Reality Checks for Christian World Communions prepared by David B. Barrett, a contributing editor, Todd M. Johnson, and Peter F. Crossing (www.WorldChristianDatabase.org)

[2]     Die Statistiken sind von M. David Sills, Hearts, Heads, and Hands: A Manual for Teaching Others to Teach Others (Nashville, TN: B&H Books, 2016), 6.

[3]     Sills, Reaching and Teaching, 37.

[4]     Ibid., 21.

[5]     Pope John Paul II, “Apostolic Journey to the Dominican Republic, Mexico and the Bahamas (January 25 – February 1 1979) – The Third General Conference of the Latin American Episcopate – Address of His Holiness John Paul II” (Libreria Editrice Vaticana, 1979), https://w2.vatican.va/content/john-paul-ii/en/speeches/1979/january/documents/hf_jp-ii_spe_19790128_messico-puebla-episc-latam.html.

[6]     Sills, Reaching and Teaching, 20: “One of the professors from the Nigerian Baptist Theological Seminary reported that some large churches sacrifice cows and bury them un juju ceremonies in order to bring forth power to attract and sway the crowds in their church services”

[7]     Philip M. Steyne, Machtvolle Götter: eine Untersuchung des Animismus wie er von Naturvölkern praktiziert wird und wie er heute in religösen Bewegungen vorkommt (Bad Liebenzell: Liebenzeller Verlag, 1993), 167.

[8]     Hier spricht man dann auch von einem „brain-drain“, da viele Studierende nicht mehr in den Globalen Süden nach ihrer Ausbildung zurückkehren. Payne, “Access to Theological Education: Goals, Aims, and Challenges,” spricht von einem „brain-gain“, wenn ein Westler im Globalen Süden promoviert.

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