Da wir nun in Peru angekommen sind und ich mich so langsam auf die theologische Ausbildung in Arequipa, im Hochland und darüber hinaus vorbereite, sind mir noch mal so manche Dinge in den Fokus gerutscht. In den nächsten Wochen werde ich meine Gedanken zur theologischen Ausbildung mit Themen wie „Warum theologische Ausbildung?“, „Gefahren des Theologiestudiums“ und „Gründe des Theologiestudiums“ etc. nach und nach auf unserem Blog online stellen.

Heute möchte ich mich auf Gedanken konzentrieren, die beim Lesen eines Klassikers gekommen sind: The Intellectual Life von A. G. Sertillanges (ursprünglich auf französisch 1920 veröffentlicht).[i]

Vieles werde ich hier nur anreißen, da ich in den nächsten Wochen und Monaten mehr dazu sagen werde.

Study must first of all leave room for worship, prayer, direct meditation on the things of GodBereits in seiner Einführung schreibt Sertillanges: „When the thinker thinks rightly, he follows God step by step” (S. xviii). Gott folgen, sich auf Sein Wort einlassen, sich in Seine Wahrheit mithineinnehmen lassen, sich von Ihm formen lassen. Das ist es was einen wahren Studenten der Schrift und der Theologie ausmacht: „…study must first of all leave room for worship, prayer, direct meditation on the things of God” (S. 28).

Ein üblicher Vorwurf an heutige Theologen ist, dass ihre Gedanken und Theologien oftmals unnütze seien. Das stimmt hier und da auch. Aber oftmals habe ich in Gesprächen auch gesagt bekommen, es sei auch nicht nötig Theologie zu studieren und viel Zeit in seinem Kämmerlein zu verbringen (verlieren).The time of the thinker, when he really uses it, is in reality charity to all Auch hierzu hat Sertillanges etwas zu sagen: „The time of the thinker, when he really uses it, is in reality charity to all” (S. 99). Dem kann ich nur zustimmen. Wie oft habe ich schön Predigten oder auch Vorträgen zugehört und dachte so bei mir: „Wenn er oder sie doch nur ein wenig mehr Zeit in der Vorbereitung verbracht hätte…“. Aber genau das Gleiche gilt natürlich auch für meine Vorbereitungen (wobei ich hier oft auf der anderen Seite vom Pferd falle). Es braucht Zeit Gedanken reifen zu lassen, Konzepte zu verstehen, wahrhaftig zu leben.

Was ist aber das Ziel des Lebens (oder zumindest der theologischen Ausbildung)?

Hierzu werde ich noch Ausführlicheres schreiben. Aber ein Satz von Sertillanges fasst es schon mal ganz gut zusammen: „What matters most in life is not knowledge, but character” (S. 235). What matters most in life is not knowledge, but characterCharakter oder auch „Spiritual Formation“ (wie es oft im Englischen in diesem Zusammenhang benutzt wird). Dies hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf wie man studiert, wie Ausbildungsstätten “Ausbildung“ und „Erziehung“ verstehen und vor allem wie man seinen christlichen Dienst lebt.

Abschließen möchte ich mit den Worten von Thomas a Kempis:[ii]
 

Wahrhaftig! hochgelehrte Worte machen den Menschen weder heilig noch gerecht; aber ein christliches Leben macht uns Gott angenehm. Trachte du, die Reue und Zerknirschung des Herzens viel mehr zu empfinden, als sie schulgerecht erklären zu können. Hättest du die ganze Bibel, und alle Sprüche der Philosophen im Kopfe, aber dabei keine Liebe und Gnade Gottes in deinem Herzen, was würde dir all jenes helfen?

 

 

[i] Übrigens würde ich dieses Buch jedem angehenden Theologiestudenten empfehlen (genauso wie Helmut Thielickes Kleines Exerzitium für Theologen [auf eng.: A Little Exercise for Young Theologians]).

[ii] Die Nachfolge Christi, Buch 1, Kapitel 1. Im Englischen nicht ganz so knochig übersetzt: “Indeed it is not learning that makes a man holy and just, but a virtuous life makes him pleasing to God. I would rather feel contrition than know how to define it. For what would it profit us to know the whole Bible by heart and the principles of all the philosophers if we live without grace and the love of God?”