Dies ist der zweite Eintrag in meinen Überlegungen zum Theologiestudium und zur theologischen Ausbildung. Dieser Eintrag ist mit den anderen Beiträgen (die noch kommen werden) als ein Ganzes zu verstehen.

Theologie sei eine theoretische Abhandlung und habe mit lebendigem Glauben wenig zu tunWie bereits im vorigen Beitrag erwähnt, habe ich in den letzten Jahren viele Gespräche gehabt, ob ein Theologiestudium wirklich von nützen sei. Viele meinen (darunter auch so einige Christen), dass Theologie heute keinen praktischen Einfluss mehr habe. Darüber hinaus sei Theologie eine theoretische Abhandlung und habe mit lebendigem Glauben wenig zu tun. Doch wenn ich mit einigen Fragen nachhake, merke ich auch oft, dass eine gewisse Theologie bei meinen Gesprächspartnern schon längst vorhanden ist. D.h., jeder von uns hat theologische Vorstellungen, ob wir uns deren bewusst sind oder nicht.

Deshalb habe ich den Verdacht, dass der Vorwurf normalerweise einer gewissen Art der Theologie gilt, oder einer gewissen Weise wie theologisch gearbeitet wird. Aber nur, weil einem eine gewisse Art und Weise nicht gefällt, kann man das ganze Projekt doch nicht aus dem Fenster werfen. Lasst uns mal kurz einen Vergleich mit Kaffee ziehen: So könnte man doch nicht sagen, nur weil einem nicht gefällt wie der Barista den Mocca zubereitet, so sei alle Art von Kaffee nicht brauchbar oder alle Baristas wären so wie dieser. Dies wäre eine falsche Schlussfolgerung. Und genau (denke ich) gilt es für die Theologie.

Mit Latein, Griechisch und Hebräisch bombardiertVielleicht sind wir schon Theologen begegnet (oder haben welche gelesen), die keine Ahnung vom wirklichen (Gemeinde-)Leben haben und theoretischen Abhandlungen folgen, die u.E. belanglos sind. Oder wir haben schon Theologen zugehört (entweder von der Kanzel oder dem Rednerpult) und wurden mit fachlichen Begriffen auf Latein oder Worten aus dem Griechischen und Hebräischen bombardiert, so dass wir nicht wirklich folgen konnten und so auch nichts Erbauliches mit nach Hause nehmen konnten. Ja, das alles ist mir auch schon passiert. Aber, das heißt ja nicht, dass man das Ganze sein lässt.

Meines Erachtens ist es von außerordentlicher Dringlichkeit, dass man sich intensive mit dem Thema Theologie beschäftigt. Denn wie schon oben bereits gesagt, hat jeder von uns eine gewisse Vorstellung von Gott (=Theologie) und wäre es nicht prima, wenn diese mit der Wirklichkeit übereinstimmen würde? Ludwig Feuerbach meinte schon, dass unsere Gottesvorstellung unseren eigenen Vorstellungen entspreche und deshalb eine reine Projektion unserer Psyche sei (siehe auch Freud und andere).  Auch wir Christen treten hier in Fettnäpfchen und müssen deshalb zurück zu den Heiligen Schriften (Bibel) und überprüfen, ob der Gott, dem wir folgen, unserer eigenen Vorstellung entspricht (schlechte Theologie) oder dem Gott der Bibel.

Jeder von uns eine gewisse Vorstellung von Gott = TheologieDa ich aus einer christlichen Perspektive schreibe (und auch noch aus einer protestantischen), sollte es dem Leser klar sein, dass die Bibel in Fragen der Theologie höchste Priorität hat. Ich werde hier nicht für die Inspiration und Autorität der Bibel argumentieren, sondern sie als Voraussetzung gelten lassen. „Aha!“ mag jetzt einer einwerfen: „Also brauchen wir doch eigentlich nur die Bibel und keine Theologie, oder?“ … Naja, das kann man nicht so einfach sagen. Denn auch wenn wir die Bibel lesen, lesen wir diese mit unseren eigenen Vorstellungen (und unsere Theologie).

Außerdem, ist die Bibel ja kein direktes Handbuch im Sinne von „Wenn Fall A eintritt, dann einfach Gebet 259 sprechen und Aktion Y einleiten“. Nein! Vielmehr ist die Bibel ein Buch über Gottes Geschichte mit Seinem Volk, über Sein Eingreifen. Ja, in der Bibel sind auch ethische Leitlinien beschrieben, aber diese sind ja auf unser heutigen Leben zu übertragen. Wir alle brauchen eine gesunde Theologie, da unsere Gedanken unser Handeln beeinflusst. Der Apostel Paulus hat es so formuliert (Philipperbrief 4,8-9):

Und noch etwas, Geschwister: Richtet eure Gedanken ganz auf die Dinge, die wahr und achtenswert, gerecht, rein und unanstößig sind und allgemeine Zustimmung verdienen; beschäftigt euch mit dem, was vorbildlich ist und zu Recht gelobt wird. Haltet euch bei allem, was ihr tut, an die Botschaft, die euch verkündet worden ist und die ihr angenommen habt; lebt so, wie ich es euch gesagt und vorgelebt habe. Dann wird der Gott des Friedens mit euch sein.

Und an seinen Schüler Timotheus schrieb er im zweiten Brief (3,16-17):

Denn alles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen.  So ist also der, der Gott gehört und ihm dient, mit Hilfe der Schrift allen Anforderungen gewachsen; er ist durch sie dafür ausgerüstet, alles zu tun, was gut und richtig ist.

Die ganze Schrift ist von Gott eingegeben, „damit“ (wie in vielen Übersetzungen richtig verstanden) ein Jesus-Nachfolger ein gottesfürchtiges Leben gestalten kann. Die Bibel ist also die Grundlage gesunder Theologie. Theologie ist nie etwas rein Abstraktes, sondern wirkt sich auf mein persönliches Leben aus.

Die Bibel ist Grundlage gesunder Theologie; oder besser gesagt gesundem Theologisierens (dazu mehr demnächst).