Nach nun gut zwei Jahren in Peru bin ich mehr und mehr überzeugt theologische Ausbildung als einen der Schwerpunkte in unserer Unterstützung der Gemeinden vor Ort zu sehen. Klar gibt es auch viele andere Einsatzmöglichkeiten, aber eine fundierte theologisch-biblische Ausbildung der Leiter der Gemeinden ist dringend nötig und hat Vorrang in meinem Involviert-Sein in Arequipa.

Zu meinem Erstaunen stellte ich recht früh das Vorhandensein verschiedener theologische Ausbildungsstätten fest. So sah oder hörte ich von einem Seminar der Baptisten, einem der Presbyterianer, einem der Lutheraner und natürlich einem von der Iglesia Evangélica Peruana (IEP; die Denomination, mit der wir primär zusammenarbeiten).

Mit dieser Feststellung entwickelte sich fast gleichzeitig ein Wunsch, ein Traum. Wie sehe wohl eine Institution aus an der die verschiedenen Gemeindebünde und Denominationen zusammenkommen, um gemeinsam aus den Heiligen Schriften und der Kirchengeschichte zu lernen? So frei nach dem Motto des Paulus: „Ihr seid ja ein Leib; in euch lebt der eine Geist; und ihr habt die eine Hoffnung bei eurer Berufung bekommen. Ihr habt nur einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe. Und über allen ist der eine Gott, der Vater von allen, der durch alle und in allen wirkt“ (Eph 4,4-6)

Dieser Traum ist in meinem Herzen und meine zeitlichen Vorstellungen belaufen sich auf die nächsten 10-15 Jahre.

In den letzten paar Monaten habe ich per „Zufall“ über mehrere Kontakte eine Beziehung zu dem lutherischen Seminar (Seminario Teológico Luterano Latinamericano; SETELA) in Arequipa aufbauen können. Dazu gleich noch etwas mehr.

Auch in dem Bibelinstitut der IEP gab es in der letzten Zeit erhebliche Veränderungen. Zu einem haben wir einen neuen Direktor und zum anderen bin ich nun Mitglied des Leitungsteams (órgano consultivo) des Bibelseminars. Ein langer Weg langsamer Veränderungen (strukturell, curricular, Fakultät, Räumlichkeiten, etc.) steht uns nun bevor und ich freue mich meine Zeit hier investieren zu dürfen.

Nun zurück zu den Lutheranern. Sie hörten, dass ich einen bzw. zwei Mastertitel habe und fragten ob ich nicht auch Interesse hätte bei ihnen zu unterrichten. Sie sind gerade im Prozess eine staatlich anerkannte Hochschule zu werden. In Peru wird gerade vom Erziehungsministerium und dem Ministerium des Universitätswesens eine höhere Messlatte angelegt um sich so dem internationalen akademischen Arbeiten anzugleichen. Dies bedeutet unter anderem, dass eine staatlich anerkannte Hochschule Professoren benötigt, die mindestens einen Masterabschluss haben. Deshalb die Anfrage der Lutheraner an mich.

In diesen Gesprächen wurde mir auch einige Gedanken der Lutheraner offen dargelegt. Die Führungslinie möchte gerne das Seminar für weitere Denominationen öffnen. Erst dachte ich, dies beziehe sich primär auf die Fakultät. Doch damit lag ich falsch. Dies soll auch für Studenten gelten. Eine gemeinsame Institution der verschiedenen Gemeinden Arequipas. Man könnte ja durchaus die meisten Kurse gemeinsam gestalten und könnte dann die Studentenschaft aufteilen, wenn es um Pastoraltheologie, Liturgie und andere „Gemeindebund-interne“ Dinge geht.

Ich habe mich riesig hierüber gefreut. Nun galt es auch noch dem neuen Direktor von dieser Idee zu erzählen. Auch er nahm diese Nachricht als Freudensnachricht auf und so hatten wir vor meiner Abreise nach Deutschland das erste gemeinsame Treffen und Gespräch der Lutheraner und der IEP.

Es bleibt spannend die weiteren Entwicklungen hier zu sehen …