In einem der früheren Blogbeiträge hat Benni davon berichtet, was für Schwierigkeiten er bei seinem Führerscheinantrag gehabt hatte. Ich hatte schon gehofft, dass ich verschont werden würde und die Beantragung dann etwas schneller ginge… die Hoffnung stirbt zuletzt…

Mit der Einreichung aller Unterlagen war ich eigentlich soweit, dass ich Anfang Januar einen Termin für den 05.02. gemacht hatte, um die Theorieprüfung abzulegen. Als ich dann eine Stunde für die Theorie angestanden hatte und endlich dran war, zeigte der Computer aber, dass ich nicht angemeldet werden kann, weil ich nicht registriert wäre. Nach dem ich mich dann eine halbe Stunde in die Schlange vom Chef begeben hatte (wegen der Korruption muss alles „Außergewöhnliche“ beim Chef geregelt werden, damit keiner schmiert) meinte er, dass ich ohne eine Wohnbestätigung vom Einwohnermeldeamt nicht weiterkommen würde. Benni hatte es damals nicht gebraucht, aber da durch die viele Korruption alle Mitarbeiter bei der Behörde ausgewechselt wurden, herrschten eben neue Bedingungen. Diese können sich wie immer auch jederzeit erneut ändern.

Für die Wohnbestätigung (um zu beweisen, dass ich in Arequipa wohne), musste ich zum Einwohnermeldeamt unseres Bezirks. Wieder ein Blatt mit 5 Sachen, die man vorzeigen muss. Am nächsten Tag mit allen Dokumenten hin und „Ja, ich könnte es in 5 Tagen abholen“. In Peru kommt man dann sicherheitshalber erst eine Woche später. Sie meinten dann aber, dass ja noch kein Mitarbeiter bei uns zu Hause war, um uns zu besuchen. Daraufhin meinte ich nur, dass uns keiner kontaktiert hätte, um vorbei zu kommen. Der entsprechende Mitarbeiter wurde angerufen und „Jaaa… (Ausrede, Ausrede), heute hat er aber Zeit. Er kommt um 11 Uhr.“ Als er bei uns den nötigen Hausbesuch gemacht hat (da wird komischerweise immer das Schlafzimmer von dem Betroffenen fotografiert) meinte er nur „morgen“ kann ich es holen.

Am nächsten Tag komme ich vorbei und er sagt verdutzt er hätte doch morgen gesagt. Meine Begründung, dass er das ja gestern gesagt hätte, hat nicht gefruchtet. Nein, morgen könne ich doch wieder vorbeikommen… Später kam dann ein Anruf, dass ich doch erst nächste Woche Dienstag kommen könnte, weil der Prozess 5 Tage brauchen würde.

Am Dienstag angekommen konnte ich endlich mein Schreiben abholen (der Wachmann war schon verdutzt, warum ich so oft da war) und dort konnte man am Datum sehen, dass das Schreiben bereits vor 6 Tagen fertig gestellt wurde….

Egal… Hauptsache endlich in der Hand und gleich weiter zur Führerscheinstelle.

Einziges Ziel für den Tag: Neuer Termin für die Theorieprüfung!

In Peru lernt man, sich nicht zu viele Ziele zu setzen und eigentlich immer davon auszugehen, dass es erst beim dritten Versuch klappt.

Nach einer einstündigen Busfahrt und einer halben Stunde in der Warteschlange wurde mir am Schalter gesagt, dass ich zum Schalter 2 muss, weil sie bei ihrem Schalter nur einen Termin für die erste Prüfung vergeben können. Ich wäre aber schon im System drin und als „nicht erschienen“ markiert (weil ich ja damals nicht die Prüfung ablegen konnte).

Also bei Schalter 2 erneut angestanden: Er kann den alten Termin nicht löschen, denn das kann nur der Chef.

Beim Chef angestellt: Ja, mir würden aber noch andere Dokumente fehlen. Da der letzte Antrag jetzt über 3 Monate her war, müsste ich wieder eine neue Bestätigung meiner Adresse ausfüllen…

Also bin ich raus, um mir am Infostand das Dokument zu holen und dann draußen noch eine Kopie zu machen (ganz wichtig: IMMER Kopien machen – die braucht man dann doch irgendwann noch).

Dann wieder an der Kasse anstellen, um die Gebühr dafür zu bezahlen (schließlich kann man aus allem noch Profit schlagen).

Dann drei Straßen weiter zum Anwalt, um mir eine eidesstattliche Erklärung machen zu lassen, dass ich wirklich unter der Adresse wohne (obwohl ich das ja vom Amt schon bestätigt bekommen hatte und der Hausbesuch ja bei uns war… aber hier darf man lieber nicht nach dem „Warum“ fragen – das führt nur zu Frustration!).

Nach der Tortur wieder zurück und die Papiere bei einer neuen Beamtin abgeben. Das Freischalten kann aber nur die Beamtin um die Ecke machen. Die meinte noch ich müsse das eine Original vom Einwohnermeldeamt aber bei der vorherigen Beamtin lassen. Wieder zurück, nein, sie brauche nur die juristische Erklärung. Wieder zur anderen und alles war ok. Auf die Frage, wo ich mich denn jetzt anstellen solle, damit ich die lange Schlange mit 60 Leuten vermeiden kann meinte sie nur, dass ich ruhig zum Schalter 2 mit der kurzen Schlange kann. Auf meine Frage hin, ob ich denn dann bei der Theorieprüfung wirklich im PC freigeschaltet bin schaute sie noch mal nach und war erstaunt, dass meine medizinische Prüfung irgendwie nicht freigeschaltet war… Aber das hätte sie jetzt geregelt (das finde ich dann bei der neuen Theorieprüfung raus, ob das wirklich der Fall ist…).

Wieder bei Schalter 2 angestellt. Trotz der neuen Dokumenten könne er mir nur den zweiten Termin freischalten, weil er den ersten nicht löschen kann. Das würde aber bedeuten, dass ich beim ersten Versuch einfach durchgefallen bin. Ja, meinte ich, dann bin ich halt durchgefallen (man hat insgesamt drei Versuche die Theorie zu bestehen). OK, aber für den zweiten Versuch müsste ich dann bei der Kasse noch mal eine Gebühr bezahlen. Das wollte ich aber nicht. Also noch mal bei Chef angestellt. Chef: Das wäre damals mit dem fehlenden Dokument mein Fehler (obwohl der Mitarbeiter mich für die Theorieprüfung gar nicht hätte freigeben dürfen), da muss ich jetzt durch und die Gebühr bezahlen.

Mittlerweile ist fast Mittagszeit und viele Leute sind beim Amt. Die Kassenschlange ist richtig lang geworden. Bis der Betrag bezahlt ist, ist der Mitarbeiter bei Schalter 2 in der Mittagspause. Also noch eine halbe Stunde in der Schlange stehen. Dann – ENDLICH – konnte ich einen Termin für die nächste Theorieprüfung machen. Ist zwar erst wieder in einem Monat (!), aber ich hoffe, dass bis dahin nicht meine medizinische Untersuchung abgelaufen ist…

Das Ganze hat mich lediglich 6 Stunden meines Tages gekostet.

Die Beantragung spiegelt sehr gut wieder, wie frustrierend hier doch jegliche Behördengänge sein können und zeigt auch auf, warum manche Menschen lieber „schmieren“, um mit wenig Aufwand ans Ziel zu kommen. Aber Korruption ist eben auch keine Lösung…

So verbringt man hier manchmal seinen ganzen Morgen irgendwo beim Amt und fragt sich, was man eigentlich geschafft hat. So viele Dinge hier brauchen einfach Zeit – unheimlich viel Zeit…