Letztes Wochenende (01.-03. Juni) waren Markus, Claudio (Kurzzeitler aus der Schweiz), René (Leiter der theologischen Ausbildung), seine Frau und ich wieder im Hochland unterwegs. Diesmal ging es nach Imata (ca. 4.600m Höhe). Imata liegt auf dem Weg nach Puno. Da es nur eine Straße Richtung Puno gibt, fahren hier viele Autos durch den Ort (vor allem viele Lastwagen aus den Minen).

Dies war bisher meine kälteste Erfahrung. Am Samstagabend hat es dann auch noch angefangen zu schneien. Ja, in Chicago war es natürlich auch sehr kalt (vielleicht sogar noch kälter), aber man hatte immer die Chance sich im Haus oder in einem Geschäft aufzuwärmen. Der größte Teil der Bevölkerung im Hochland hat aber weder Heizung noch Kamin, so dass auch die kleinen Häuser und Kirchen unheimlich kalt sind und bleiben.

An diesem Wochenende hatte ich aber nicht nur mit der Kälte zu kämpfen. Wie in anderen Einträgen bereits erwähnt, essen die Quechua viel. Schon am Morgen gibt es meisten Reis mit Kartoffeln und Alpaka-fleisch. Am Ende unseres Aufenthalts konnte ich das Essen einfach nicht mehr sehen und so war ich froh am Montag wieder in Arequipa einfach morgens meinen Kaffee zu trinken und nichts zu essen.

Aber zurück zu unserem Workshop (spanisch: taller). So ein Wochenende hat normalerweise eine einheitliche Struktur. Das heißt, in den fünf „Bezirken“, in denen wir regelmäßig unterwegs sind (ein Bezirk trifft sich alle 4-6 Monate zu so einem taller), verläuft das Wochenende recht gleich.

Freitagabend ist Ankunftszeit. Hier trudeln so nach und nach einige der Studenten ein (manche kommen auch erst am Samstag). Das ist immer eine schöne Zeit. Man grüßt sich herzlichst und teilt die neuesten Nachrichten untereinander aus. Diesmal war die Ankunft besonders schön, da einer der hermanos (der coordinador dieser Gruppe) solch eine herzliche und außergewöhnliche Lache hat, dass man diese nicht vergessen kann. Am Abend gibt es dann eine kleine Andacht und Einführung in den Verlauf der nächsten Tage.

Samstagmorgens trifft man sich so um 5:00 Uhr (oder auch mal 06:00 Uhr) zur Andacht und Gebet. Zu dieser Zeit ist die Sonne noch nicht aufgegangen und es ist weiterhin schweinekalt. So gegen 7:00 Uhr gibt es dann Frühstück. Den weiteren Verlauf des morgens nutzen die Geschwister um im pueblo den Menschen von Jesus zu erzählen und sie für den Abendgottesdienst (auch Samstag) einzuladen.

Nach dem Mittagessen kommt der administrative Teil, in dem neue Studenten angelernt, immatrikuliert und weitere Dinge abgesprochen werden. Ab und zu gibt es dann auch eine offen Frage-Antwort-Stunde. Hier darf jeder jegliche Fragen zum christlichen Leben, Bibel, Theologie stellen und alles sind eingeladen bei der Findung einer geeigneten Antwort zu helfen. Diese Zeit ist für mich oft sehr schön, denn ich kann die Studenten beim Theologisieren beobachten und mich über die Weisheit, die Gott ihnen schenkt, freuen. Eine kleine Beobachtung, die ich hier mache ist, dass obwohl die Lebensumstände, die Kultur und die Gemeinden sehr unterschiedlich sind (gerade in Bezug auf Deutschland), doch viele der Fragen ähnlich sind – zumindest ähnliche biblische-theologische Prinzipien unterschwingen auch wenn natürlich die kulturbezogenen Anwendungen und Fragestellung eine komplett andere ist. In diesen Zeiten bin ich Beobachter und merke auch oft, dass man erst einmal die Fragestellung und Kultur wirklich verstehen muss um „biblische Antworten“ geben zu können. Das benötigt Zeit und deshalb sind wir auch langzeitlich hier. Gott gebe Du uns Einsicht und Geduld!

Wie bereits erwähnt feiern wir am Abend dann einen Gottesdienst. Sonntagmorgens (5:00 oder 6:00 Uhr) ist wieder Gebet und Andacht. Danach Frühstück. Dann feiern wir noch Gottesdienst essen Mittag und verabschieden uns recht bald, da der Heimweg für viele recht lange ist.

So also verläuft ein Wochenende im Hochland. Zuhause angekommen, nehme ich meisten erst einmal eine heiße Dusche (warmes Wasser gibt es im Hochland meistens nicht), schmeiße meine ganzen Klamotten in die Wäsche und ruhe mich aus. Auch montags ist dann ein Ruhetag, den der Körper dringend nach oftmals 2000m und mehr Höhenunterschied gut gebrauchen kann.

Der nächste taller findet hier am 01. Juli in Arequipa (Stadt) statt. Darauf freue ich mich schon.