In den letzten paar Wochen habe ich zwei sehr interessante Bücher gelesen und bin gerade an einem dritten. Die ersten beiden sind mehr kultur-anthropologisch und das letzte etwas mehr historisch. Hier möchte ich nur „Snippets“ vorstellen – Dinge, die mich angesprochen haben.

Richard E. Nisbett schreibt in seinem Buch The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently…and Why davon wie westliche Menschen (primär aus den USA) und asiatische Menschen verschieden denken. Natürlich kann man nicht von „der asiatischen“ oder „der westlichen“ Denkweise sprechen, jedoch gibt es zwischen den einzelnen Kulturen (z.B. des Westens) große Überlappung, so dass man diese durchaus etwas zusammenfassen kann.

Wie bereits geschrieben kann ich hier nur Highlights nennen. In dem Kapitel „Is the World Made Up of Nouns or Verbs? Categories and Rules vs. Relationships and Similarities“ schreibt Nisbett (S. 144):

Explicit modeling or rule-making seems to be less characteristic of the causal explanations of East Asians than of Westerners. If Asians are less likely to use rules to understand the world, and less likely to make use of categories, they might find it particularly hard to learn categories by applying explicit rules to objects.

Es geht im gesamten mehr um Beziehungen, die ihren Ausdruck in Verben finden, und nicht um Kategorien, welche durch Nomen beschrieben werden. Dies hat selbstverständlich Implikationen wie man Theologie erlernt und welche Ansätze man hier benutzt. Die westliche Theologie (und besonders die der Dogmatik) benutzt durchweg Kategorien wohingegen die Beziehung der biblischen Theologie als Gesamtes betrachtet werden kann. Meine Frage hierzu ist, ob Peruaner mehr dem westlichen oder dem asiatischen Denken näherstehen. Diese gilt zu beobachten und auf die Art und Weise des Unterrichtens anzuwenden.

Was mir besonders gut an dem Buch gefällt, ist, dass der Autor in keinerlei Weise dahin verfällt „Alles“ aus dem Westen anzuschwärzen und „Alles“ aus Asien zu verherrlichen. In seinen letzten Kapiteln zeigt er durchaus die Vorteile des westlichen Denkens auf, aber natürlich auch die des gesamtheitlichen Denkens Asiens. Wiederum stelle ich fest, dass eine internationale Fakultät mehr als eine Bereicherung für die Studenten, die Lehrkräfte selbst und für die Kultur sein können.

Ein weiteres Buch ist Ministering in Honor-Shame Cultures: Biblical Foundations and Practical Essentials von Jayson George und Mark. D. Baker. In diesem Buch gibt es viele Aspekte, die mich sehr angesprochen haben. Am besten lest ihr das Buch nochmals selber. Aber hier ein paar Eindrücke mit ein paar sehr hilfreichen Tabellen.

Der erste Teil handelt primär von Kulturantrhopologie und gibt große Umrisse der Schamkulturen (Honor-Shame) und der Schuldkulturen (Guilt- Innocence). Es gibt zwar keine reine Schuldkultur und auch keine reinen Schamkulturen, sondern lediglich Kulturen, in denen eines der beiden überwiegt.

Die folgende Tabelle (s. 38) zeigt diese groben Konturen auf:

 

Guilt-Based Cultural Behavior Shame-Based Cultural Behavior
Cultural Context Individualistic, Western Corporate, Majority World
Definition of Normal Rules and laws Expectations and ideals
Guide for Behavior Introspective conscience Public community
Result of Violations guilt Shame
Core Problem “I made a mistake” (action) “I am a mistake” (being)
Affected Party The transgressor The group
Violator’s Response Justify, confess or apologize Hide, flee or cover
Society’s Response Punish to serve justice Exclude to remove shame
Means and Resolution forgiveness Restoration

Und diese Tabelle (S. 60) wie verschiede kulturelle Aspekte von der jeweilig anderen Kultur aufgenommen werden:

Arena of Life Honor-Shame Cultures G-I Assessment of H-S Cultures Guilt-Innocence Cultures H-S Assessment of G-I Cultures
Money Patronage Corrupt, dependent Independence, capitalism Stingy, ungenerous
Communication Indirectness Lying, deceptive Direct, explicit Inconsiderate, crass
Time Event Lazy, tardy Task, efficiency Arrogant, unkind
Hygiene Purity Ritualistic, pharisaical Science, secularism Defiled, unclean
Food Hospitality Obligatory, ostentatious Convenience, functionality Isolated, neglectful
Behavior Social roles Unequal, oppressive Egalitarian, equality Disrespectful, presumptuous

Jetzt noch kurz zwei weitere Aspekte. Im Juni 2016 habe ich einen Vortrag zum Thema „Rettet der Glaube allein`“ gehalten. In diesem Vortrag geht es mir primär um die Verkürzung des Evangeliums und wie wir Glaube (und auch Gnade) verstehen. Oftmals wird das Evangelium mit der Vergebung der Sünde gleichgesetzt. Dies ist aber nicht mit dem biblischen Verständnis vereinbar. Ja, Vergebung unserer Sünden ist ein Teil, eine Auswirkung des Evangeliums, doch das Evangeliums selbst ist viel mehr (dazu demnächst dann nochmal mehr).

Diese Tabelle (S. 181) zeigt die zwei verschiedenen Verständnisse der Erlösung auf:

Process of Salvation

Guilt Based Shame Based

Problem
of Sin

Transgression

People have broken God’s law
through a particular action

Unfaithfulness

People have broken the relationship
with God by being disloyal

Dilemma
of Humans

Guilt

Our moral violations
merit punishment

Shame

Our disgrace
merits banishment

Solution
of Jesus
Restitution

Jesus satisfies the legal
requirements of justice by
enduring retribution for us

Restoration

Jesus bears shame to reconcile
the relationship by repairing honor

Response
of Faith

Confession

People must acknowledge
their wrongdoing

Allegiance

People must be loyal
to honoring God

Result
of Salvation
Forgiveness

God pardons wrongdoings and declares lawbreakers to be innocent

Honor

God makes outcasts his children
and exalts people to eternal glory

Das sind zwei sehr unterschiedliche Ansätze. Beide haben ihre Stärken. Doch ich denke, dass vor allem unsere Antwort des Glaubens (Response of Faith) besser mit Loyalität beschrieben werden sollte.

Der letzte Aspekt aus dem Buch, den ich hier nennen möchte, ist wie Gemeinschaft, vor allem christliche Gemeinschaft, verstanden und auch gelebt wird. Georges und Baker (von Paul Hiebert herkommend) beschrieben zwei Arten der Gemeinschaft:

  • Bounded Group
  • Cenetered Group

Im Gegensatz zur „bounded group“ setzt die „centered group” einen Schwerpunkt auf den Mittelpunkt der Gemeinschaft und orientiert sich zu diesem Zentrum (Christus!) hin. Zwar gibt es auch Abgrenzungen (boundaries) zu anderen Leuten, diese werden aber weniger von diesen boundaries als von der Beziehung zur Mitte hergesehen. Dies hat Implikationen in der Debatte von „believe-belong“ oder der „belong-believe“ Orientierung. Im Sinne der Evangelisation und der Gemeindegründungsarbeit stellen die Autoren dies so da (s. 185):

Western ministry model Evangelism -> Discipleship -> Community
Majority World model Community -> Discipleship -> Evangelism

Ich habe hierzu noch keine konkrete Antwort und bin für Gespräche mehr als offen. Das folgende Zitat (S. 235) spricht jedoch gute Gedanken aus:

The origin of shame is exclusion, rejection and isolation—a disunion with community, both divine and human. Therefore, the solution for shame is not simply the theological idea of honor, but the realization of honor through genuine community.

Das letzte Buch möchte ich noch nicht vorstellen (da ich es auch noch nicht ganz gelesen habe), sondern nur Werbung hierfür betreiben für alle, die es interessiert:

Literaturhinweis:

  1. Georges, Jayson, and Mark D. Baker. Ministering in Honor-Shame Cultures: Biblical Foundations and Practical Essentials. Downers Grove, IL: IVP Academic, 2016.
  2. González, Justo L., and Ondina E. González. Christianity in Latin America: A History. Cambridge ; New York: Cambridge University Press, 2007.
  3. Nisbett, Richard E. The Geography of Thought: How Asians and Westerners Think Differently…and Why. New York: Free Press, 2004.