Gestern habe ich die Endnoten meiner Studenten eingetragen. Das Ende eines Kurses ist immer ein besonderes Gefühl. Einerseits freut man sich, sich nun wieder auch auf andere Dinge (z.B. Doktorarbeit) konzentrieren zu können. Andererseits ist es auch immer ein wenig traurig.

Geplant war der letzte Kursabend folgendermaßen: 1) kurzes „Zusammenkommen“ via Zoom + Gebet; 2) alle legen das „examen final“ online ab (8 multiple choice Fragen und 1 Frage mit 2-3 Sätzen zu beantworten = 9 Fragen max. 20min???); und 3) wieder zusammen eine kleiner Gedanke und Gebet zum Abschluss (max. 10min).

Nun ja … „erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“. Kurz vor Beginn des Abends gab es bei uns im Bezirk einen kompletten Stromausfall. Ich konnte also die Studenten nicht via zoom begrüßen und für sie beten. Via WhatsApp habe ich dann den Studierenden Bescheid gegeben und ihnen ein Gebet geschrieben … große Aufregung und „Panik“ bei Vielen.

Um 18:45 Uhr war dann das Examen online und alle konnten anfangen. Die erste Abgabe war nach ca. 15 min … die letzte nach mehr als 1h 30 min. Aber, alle haben das Examen bestanden (m. E. war es auch unmöglich hier durchzufallen).

Was mir immer wieder auffällt ist, dass man kritischen Denken und oftmals auch grundlegendes Bibel- bzw. Theologiewissen nicht voraussetzen darf. Das kritische Denken wurde bisher in dem Erziehungssystem Perus (und in vielen Ländern Lateinamerikas) nicht gefördert oder gar erwünscht. Es ist also eine meiner Aufgaben dieses Denken etwas mehr und mehr in den Vordergrund zu rücken, so dass sie nicht einfach das als Wahrheit annehmen, was eine Autoritätsfigur ihnen sagt.

Des Weiteren bedarf es eines gründlichen Neu-Erdenkens unseres Bibelinstituts. Obwohl dieses nun schon seit mehr als 20 Jahre existiert, sind viele Dinge unklar bzw. nie ausgearbeitet worden ( … naja, das wäre aber nun ein anderes Thema).

Zurück zum letzten Kursabend. Nachdem nun die letze Person das Examen eingereicht hatte, haben wir uns nochmals online getroffen. Mein Plan von ca. 10min hat auch nicht wirklich hingehauen. Viele der 15 Studierenden wollten sich noch bei mir persönlich und ihren Mitstudenten bedanken. Es war eine sehr schöne und auch emotionale Zeit (ein paar Tränen der Dankbarkeit und Freude sind auch geflossen).

Obwohl das akademische Niveau mir wirklich zu schaffen macht, bin ich immer wieder über das Engagement und den Fleiß der Studierenden mehr als positiv überrascht. Eine Studentin hat sich sogar aus ihrer Lehmhütte im Hochland Cuscos bei jedem Kursabend dazugeschaltet – wow!

Gott segne die Studierenden in ihrem privaten, als auch gemeindlichen Leben. Solo Deo gloria!