Schon seit längerem sind wir als Bibelschule am Überlegen, ob wir auch ein virtuelles Programm anbieten sollen. Meine ersten Überlegungen (und Äußerungen) waren, dass dies viel mehr Zeit und Kraft kostet und wir ohnehin als Institut schon recht überlastet sind.

Naja, nun (durch die weltweite Situation) blieb vielen Universitäten, Schulen und anderen Einrichtungen nichts anderes übrig als auf online umzustellen. So haben auch wir als Bibelschule seit Anfang Juni ein virtuelles Programm. Da wir allerdings als Institut (noch) nicht besonders gut aufgestellt sind, haben wir beschlossen, dass die Form der Kurse den Dozenten überlassen ist. Das heißt, sie dürfen entscheiden durch welche Plattformen das virtuelle Angebot ausschaut. Das gibt dem Dozenten mehr Freiheit, aber natürlich auch mehr Verantwortung.

Bevor dem Ganzen dachte ich, dass ein virtuelles Programm doppelt so viel Arbeit ist. Da habe ich mich allerdings getäuscht. Es ist mindesten dreimal so viel Arbeit.

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Auch in den Gemeinden wurde in vielen Dingen in ein online-Angebot umgestellt. In unserer Gemeinde gestalte ich zurzeit einen Kurs zur Lehre des Heiligen Geistes (Pneumatologie). Der Vorteil bei unserer Gemeinde ist, dass das Team super aufgestellt ist und mir sogar ein „Assistent“ zur Verfügung gestellt wurde. Dies ist eine große Hilfe. Seine Aufgabe ist vor allen Dingen technische Probleme mit den Teilnehmern zu klären—und glaubt mir, hiervon gibt es einige.

So verbringe ich momentan meine Tage hauptsächlich mit Vor- und Nachbereitungen von zwei Kursen. Der Kurs der Gemeinde (Pneumatologie) findet samstagnachmittags (16:30–18:00 Uhr) und der Kurs an der Bibelschule (Theologie des Neuen Testamentes) montags und mittwochs von jeweils 18:30–21:15 Uhr statt. Ich eröffne die virtuelle Aula ca. 15min vorher, so dass man virtuell einen Kaffee oder Tee miteinander trinken kann. Oftmals (vor allem bei den Bibelschülern) ist nach 21:15 Uhr nicht direkt Schluss. Die Teilnehmer sind hoch motiviert und schätzen es offenere Fragen in dieser Runde stellen zu dürfen. Das macht mir viel Spaß und erfüllt mich (manchmal auch mit Kopfschmerzen…). All das bedeutet, dass ich bei einer reinen Präsenzzeit von ca. 8 Stunden pro Woche liege.

Neulich hatten wir als Organisation ein Gespräch mit einer Person, die an einer Mitarbeit in der theologischen Ausbildung interessiert ist. Nach dem Gespräch bekamen wir dann eine E-Mail mit der Aussage, dass die Mitarbeit hier in Peru eher nicht in Frage käme. Eine Begründung (neben Sprache) war, dass diese Person lieber in einer mehr „etablierten Schule“ arbeiten möchte.

Ich kann diese Person gut verstehen. Auch ich träume manchmal davon an einem Institut zu arbeiten, was einen festen Lehrplan hat, ein Gebäude besitzt (mit einer kleinen jedoch feinen Bibliothek) und auch die einheimischen Dozenten anständig bezahlt. Aber das ist und bleibt auf unabsehbare Zeit … ein Traum.

Was wir jedoch in dieser Zeit als Leitungsteam der Bibelschule mehr und mehr feststellen ist, dass wir auch in Zukunft sehr wahrscheinlich zweigleisig fahren werden—Unterricht in Residenz und virtuell.