Letztens dachte ich mir noch so hämisch: „Wenn ich nicht bereits Protestant wäre, so wäre ich hier (in Arequipa, Peru) bestimmt einer geworden!“ Diese Gedanken schossen mir so durch den Kopf als ich eine Prozession in unserer Nachbarschaft (urbanicación) beobachtete. Diese Prozession war eine Feier, die sich um die Wunder des „Señor de los Milagros“ („Der Herr der Wunder“) dreht.

Peru …

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Hierbei handelt es sich um ein Bild von dem gekreuzigten Jesus, welches im 17. Jh. von einem afrikanischen Sklaven hier in Peru kreiert wurde. Wie bei so vielen anderem „Verehren“ im gegenwärtigem Katholizismus in Peru wird dem Bild (oftmals auch eine Statue) Wunder und Kraft zugesprochen, da es ein Erdbeben überlebte und andere davor schützte zu sterben.Wir haben jetzt also, liebe Geschwister, einen freien und ungehinderten Zugang zu Gottes Heiligtum; Jesus hat ihn uns durch sein Blut eröffnet.
(Hebräerbrief 10, 19)

Es geht mir in diesem Beitrag aber nicht um diese spezifische Prozession bzw. um dieses Bildnis, sondern grob um den Katholizismus hier in Peru. Natürlich werde ich mit einem kurzen Beitrag diesem Thema nicht gerecht und Vieles wird in der Zukunft näher von mir verstanden werden können. Hierfür brauche ich mehr Zeit um zu beobachten und recherchieren zu können. Aber heute mal ein kleiner Einblick.

Als erstes fällt mir auf, dass viele Menschen hier dem Katholizismus und der Kirche sehr zugewandt sind. Es muss jedoch auch gesagt werden, dass der Katholizismus in Peru (und allgemein in Latein- und Mittelamerika) ein anderer ist, als der in Europa und Nordamerika. In Europa hat es vor ziemlich genau 500 Jahren einige Bewegungen gegeben, welche den christlichen Glauben reformierten. Dies hat aber wenig bis keine Auswirkungen auf unseren Kontinent hier gehabt. Somit könnte man überspitzt sagen, dass der Katholizismus, den man in Peru antrifft, ähnlich dem ist, wie Martin Luther ihn im 16. Jh. in Deutschland angefunden hatte.

Deshalb kam mir auch der oben genannte Gedanke hier Protestant zu werden. Martin Luther und andere Reformatoren wären wahrscheinlich höchst überrascht den christlichen Glauben in Peru so anzufinden, wie er heute von Vielen gelebt wird. Es gibt unzählige Heilige, Prozessionen, Kerzen (die gekauft werden müssen) … viel Business um die Kirche herum. So sind auch bei der von mir beobachteten Prozession gleich 3-4 Personen mit ihren Wägelchen hinterher gehechelt, um Kerzen, Statuen und ähnliches zu verkaufen.

Den ganzen Oktober kann man vor allem Frauen in violetten Kleidungen sehen (der Oktober wird auch „mes morado“ also „violetter Monat“ genannt). Diese Frauen geben sich in diesem Monat ganz besonders dem Señor de los Milagros hin.

Eine bestimmte Frage, die sich mir stellt ist: Ist solche Hingabe wirklich an Gott bzw. an Jesus gerichtet oder werden solche Bildnisse und Statuen wie Amulette im Animismus behandelt? D.h., schenkt man dem Schöpfer aller Dinge seine Treue und Liebe oder erhofft man sich von einem Bild, dass es einen mit Wundern und anderen Dingen beschenkt?

Einer nämlich ist Gott, einer auch ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus.
(1 Timotheus 2,5)
Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Peruaner (der deutsch konnte) über den Unterschied zwischen Katholizismus und Protestantismus. Um nicht ausschweifend zu antworten, habe ich mich auf eine direkte Antwort konzentriert: „Im Protestantismus benötigen wir keine anderen Mittler (sog. ‚Heilige‘) zwischen Mensch und Gott. Es gibt nur einen: Jesus Christus!“