…jaja „über den Engeln“.

In dem letzten Blogeintrag zum Hebräerbrief  haben wir uns die ersten vier Verse etwas näher angeschaut. Heute betrachten wir wie der Verfasser seine Argumente weiter ausführt und die Überlegenheit des Sohnes über die Engel (bereits in Vers 4 angesprochen) vertieft.

In seinem Kommentar (S.22) zeigt William L. Lane interessante Querverbindungen zwischen 1,1-4 und 1,5-13 auf:

A. Ernennung zum königlichen Erben (2b) A.’ Ernennung zum königlichen Sohn und Erben (5-9)
B. Vermittler der Schöpfung (2c) B.’ Vermittler der Schöpfung (10)
C. Ewiges Sein und präexistenter Ruhm (3) C.’ Unveränderliches, ewiges Sein (11-12)
D. Erhöhung zur rechten Hand Gottes (3) D.’ Erhöhung zur rechten Hand Gottes (13)

Der Fokus der Verse 5-13 liegt wie bereits angeklungen auf Überlegenheit oder die Vorherrschaft des Sohnes über die Engel. In dieser Passage gibt es drei Zitatenpaare (hier lehne ich mich an Guthrie S. 67 an):

  1. Psalm 2,7 und 2. Samuel 7,14: Der Sohn ist deshalb überlegen, da er eine einzigartige Beziehung zum Vater hat
  2. Psalm 97,7 und 104,4: Die Engel haben eine durchaus positive, aber geringere Stellung und Dienst
  3. 45,7-8 und 102,26-28: Die Ewigkeit des Sohnes und seine unveränderliche Natur (Sein) werden hervorgehoben

Zum Schluss wird dann noch aus dem messianischem Psalm 110 zitiert: „Die Inthronisation des Sohnes als Messias, Gottes gesalbter König, steht im Mittelpunkt. Das kulminierende Zitat von Psalm 110,1 in Vers 13 ist als Zusammenfassung dieser Kette von Texten des Alten Testaments am besten geeignet“ (so Guthrie S. 67)

Setz dich zu meiner Rechten hin, bis ich deine Feinde zum Schemel für dich mache, auf den du deine Füße stellst (Psalm 110,1)

Um die Vorheranstellung des Sohnes über die Engel deutlich zu machen (vor allem in seinem offenbarenden Charakter) befasst sich der Verfasser des Hebräerbriefes mit Vergleichsargumenten.

Das Wort, welches die ersten beiden Zitate zusammenfügt, ist „Sohn“. Bei der Taufe Jesu hören wir eine himmlische Stimme sagen: „Das ist mein geliebter Sohn. An ihm habe ich Wohlgefallen!“ (Matthäus 3,17). Dies klingt an Psalm 2,7 an. Dieser Psalm wurde unter den ersten Jesusnachfolgern messianisch (also auf den Messias/Christus hin) gedeutet. Wir sehen z.B. in der Apostelgeschichte 13,33-34 wie dieser Psalm auf die Auferstehung und Inthronisation Jesu angewendet wird. Es geht hier also nicht um eine Art Schöpfung des Sohnes durch den Vater, sondern um die feierliche Amtseinführung des Sohnes nach der Auferstehung von den Toten.

In Vers 6 klingt dann auch schon gleich die Wiederkunft Jesu an, in dem alle seine Feinde besiegt werden. Der „Erstgeborene“ heißt so viel wie der Voranstehende, der mit der größten Ehre verdienende.

Die Engel sind Diener (Vers 7; Diener auch den Gläubigen gegenüber Vers 14), wobei der Sohn als Herrscher mit einem Zepter in der Hand dargestellt wird.

In den Versen 10-12 wiederholen sich quasi die Verse 2-3. Der bereits existierende Sohn war der Agent der Schöpfung sowie er auch der „Erstgeborene“ der „neuen Schöpfung“ ist. Der Anfang dieses Zitats befasst sich mit dem Schöpfungsakt, während der zweite Teil sich auf die letzten Tage konzentriert. Im Gegensatz zur Schöpfung unterliegt der Sohn keiner Veränderung – was die Aussage in Hebräer 13,8 antizipiert: „Jesus Christus ist gestern und heute und für immer gleich.“

Vers 13 bildet dann den Höhepunkt. Dies ist das siebte (!) und letzte Zitat. Es bringt uns zurück zu Vers 5, wo der Autor über Psalm 2,7 die Inthronisierung des messianischen Königs, des Sohnes, ausgesprochen hat (vgl. O’Brien, 77). Das Zitat von Psalm 110 hat gegenwärtige und zukünftige Bedeutung. Jesus sitzt bereits als Herrscher der Schöpfung, welches seine endgültige Vollendung erwartet, wenn seine Herrschaft die Erde füllen wird.

Diese sieben Zitate aus dem Alten Testament geben Anlass, die Überlegenheit des Sohnes gegenüber den Engeln zu sehen. Dies führt dann den Autor zu seiner ersten Ermahnung der Leser (2,1-4) – ein Thema, das wir nächstes Mal behandeln werden.

 

Bibliographie:

Bruce, F. F. The Epistle to the Hebrews. New International Commentary on the New Testament. Grand Rapids: Eerdmans, 1990.

Guthrie, George H. Hebrews in the NIV Application Commentary. Grand Rapids: Zondervan,  1998.

Lane, William L. Hebrews. 1-8. Word Biblical Commentary, v. 47A. Dallas, Tex: Word Books, 1991.

O’Brien, Peter T. The Letter to the Hebrews. Grand Rapids: Eerdmans; 2010.