Der heutige Nachmittag war ein gutes Beispiel dafür, wie der Alltag in Arequipa aussehen kann.

Schon die Zahnärztin in Deutschland hatte uns ans Herz gelegt immer mal wieder zum Kieferorthopäden zu gehen, um zu sehen, wann bei Joel und Tim etwas getan werden müsste. So hatte ich heute endlich einen Termin beim Kieferorthopäden, um die beiden checken zu lassen. Wer mal die Erfahrung gemacht hat als Erwachsener eine neue Sprache zu lernen weiß, wie ungern man zu Beginn telefoniert. Da hier die Ärzte (sowie viele andere Geschäfte) aber überhaupt keine Internetpräsenz und keine E-Mails haben, habe ich mich nach den Ferien jetzt endlich überwunden anzurufen. Die Ärztin selbst war gut zu verstehen, so dass es dann doch kein Thema war.

15:30 Uhr sind wir mit dem Bus in die Innenstadt gefahren. Der Kieferorthopäde hat uns gleich empfangen. Unsere Zahnärztin hat keine Zahnarzthilfe und macht alles selbst (der Absauger wird einfach in den Mund gehängt). Der Kieferorthopäde theoretisch auch, nur dass er gerade eine jüngere Ärztin hatte, die er anlernt.

Das Equipment ist für gewöhnlich in die Jahre gekommen, aber die Ärzte sind sehr kompetent. Der Kieferorthopäde konnte uns aus seinem antiken Buch Bilder des Problems zeigen und eine kompetente Lösung geben.

Die Praxen haben aber nicht immer die Möglichkeit auch zu röntgen. So wurden wir zu einer anderen Praxis geschickt (3 Straßen weiter), die lediglich röntgt. Die Praxen liegen oft versteckt zwischen Geschäften irgendwo im dritten Stock.

Die Röntgenbilder sind gemacht, können aber nicht gleich entwickelt werden. Das bedeutet, dass ich morgen noch einmal hinfahren muss, um mittags die Bilder abzuholen. Montag haben wir dann wieder einen Termin, um die Bilder abzugeben und alles weitere zu besprechen. Also alles etwas aufwendiger…

Wir waren dankbar, dass wir anschließend in einen vollen Bus einsteigen und er erst 5 Stationen später übervoll wurde. Gequetscht und müde kamen wir dann 3 Stunden später wieder zu Hause an.

Benni hat in der Zwischenzeit mit Jason sein Buch kopieren wollen. Copyright kennt hier keiner (Blue-Rays von aktuellen Filmen können kurze Zeit nach Kinobeginn an jeder Straßenecke für 1€ gekauft werden). Im Unterricht, den er an der Universität nimmt, haben sie eine PDF von 450 Seiten bekommen, die sie sich ausdrucken müssen. Das geht hier auch relativ günstig. Mittlerweile hat er aber herausgefunden, dass die Copy-Shops in unserer Nähe alle teurer sind als an der Uni (5 Cent pro Seite statt 2,5).

Rechnen ist auch immer so eine Sache. Wenn man fragt, wie viel die Kopien kosten werden (20 Peruanische Cent x 450 Seiten) bekommt man meistens eine inkorrekte Antwort (hier 67 Soles statt der richtigen 90 Soles). Da fragt man sich manchmal, wie sie einen Gewinn machen…

Zeit! Alles braucht einfach etwas mehr Zeit…